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Pflege 26. Juni 2008

Nur ein einziger Grund gegen Aut-idem

Es gibt natürlich nur einen einzigen wirklichen Grund, warum die Ärzte sich gegen die Aut-idem-Lösung wehren: Sie machen sich Sorgen um ihre Patienten. Um zu sagen, wie es bei den Apothekern ist, bedarf es einer genauen Analyse.

Vielleicht macht sich Apothekerkammerpräsident Burgasser Sorgen um ein weiteres Abrutschen der Spannen. Schließlich lagen diese in seligen Zeiten im Jahre 1996 noch durchschnittlich bei über 26 Prozent, um bis 2006 auf knapp unter 20 Prozent abzurutschen. Das tut verständlicher weise weh. Weh tut auch, dass der Gebietsschutz in EU-Zeiten ein Auslaufmodell ist. Am besten ist, man stellt sich mit der Frau Minister gut und klopft sich beim gegenwärtigen „Ärztehauen“ amüsiert auf die Schenkel.
Sollte „Aut idem“ kommen, wird der Spaß bald vorbei sein. Abgesehen von der Verantwortung, die dann auf den Apothekern lastet, müssen sie mit dem Job erst ordentlich fertig werden. Unter Qualitätskontrolle versteht sich. Vielleicht auch mit Fünfjahresvertrag? Glaubt man dem Jahresbericht 2007, geht es den Apothekern schon jetzt nicht wirklich gut. Zeitmäßig nämlich. Natürlich steht das nur zwischen den Zeilen, denn bei näherer Betrachtung haben die Herrschaften einen richtigen Mörderjob. Warum? Weil: Österreichweit sind in 1.200 Apotheken 4.815 selbständige und angestellte Apotheker tätig. Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt bei 27 Wochenstunden. Da kommen gerade mal knapp 5.000 Apothekerstunden pro Jahr auf eine Apotheke. Klingt gut, ist es aber nicht. Runtergerechnet auf die Öffnungstage und eine mittlere Kundenfrequenz von 400 Personen pro Tag, zeigt es die bittere Wahrheit: Es kommen gerade mal 2,5 (in Worten: zweieinhalb) Minuten auf einen unserer Patienten. Da kann man jetzt schon nicht mehr beraten. Von wegen „Fragen Sie Ihren Apotheker!“ Und wenn wir nur mehr Wirkstoffe rezeptieren, wird’s noch enger an der Tara. Sollte es sich dann mit der Handelsspanne bei den Kassenmedikamenten nicht mehr ausgehen, können’s ja noch immer Franchisenehmer einer Drogeriemarktkette werden. So, wie sie glauben, dass es Ärzten Spaß macht, für ein AVZ zu hakeln. Lieber Herr Apothekerpräsident, fragen Sie doch mal einen Arzt, bevor es zu spät ist. Oder noch besser: gehen Sie mit Ihrem Präsidentenfreund Dorner am 7. Juli gleich mit vor das Parlament, bevor die Sozialpartnerpartie Sie und Ihre Schäfchen bei der nächsten Reform platt macht.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 26/2008

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