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Pflege 13. Juni 2008

Seid’s krank? Zeit für bittere Pillen.

Gesundheitsministerin Kdolsky gestand in einem Interview mit einer Tageszeitung Fehler bei der Gesundheitsreform zur Sanierung der Krankenkassen ein. Ihrer Meinung nach war es ein kommunikativer Misserfolg, aber inhaltlich ein richtiger Schritt. Im Übrigen gebe es ihrer Ansicht nach ihrerseits nichts mehr zu verhandeln, schließlich sei dies nunmehr eine Angelegenheit des Parlaments. Ein bisserl zu leicht gemacht, Frau Ministerin! Man kann sich nicht einfach als Ministerin aus der Verantwortung vertschüssen, wenn man die heiße Kartoffel – besser die verkohlte – weitergeschupft hat. Vorher wurden mit dem Ärztekammerpräsidenten sogar schriftliche Vereinbarungen getroffen, die tags darauf das Papier nicht mehr wert waren, auf dem sie standen. Dann wurde munter zu „Verhandlungen“ unter dem Motto „Friss und stirb“ eingeladen - zu verhandeln gab es laut Kdolsky nichts. Eine feine Art! Und dann, wenn „frau“ Widerspruch erntet, ist sie erst mal ordentlich beleidigt.
Das Beleidigtsein dürfte ein wenig grassieren. Als sich auf dem Ballhausplatz über 8.000 Ärzte versammelt hatten und sich eine Delegation anschickte, dem Kanzler über 313.000 Protestunterschriften zu übergeben, kniff dieser, als er darüber informiert wurde, dass auch Vizepräsident Steinhart der Delegation angehörte. Unter dem Motto: „Wenn der kommt, geh ich nicht und schicke die Staatssekretärin“. Wer nähme sich nicht ein wenig Zeit, um sich auf den bevorstehenden Staatsbesuch aus Vietnam vorzubereiten? Gibt’s dort etwa einen entsprechenden Rotwein? Oder: Geht sich vielleicht noch eine Rückeinladung aus? Jedenfalls alles besser, als sich dem Gesudere der Ärzte zu stellen. Silhavy tat es an des Kanzlers statt und nahm sich gestoppte acht Minuten Zeit.
Es scheint, die Herrschaften sind ein bisschen abgehoben. Alles ist wichtiger als eine Gesundheitsreform mit den Ärzten. Jetzt hat erst mal König Fußball das Zepter in der Hand. Dem huldigt Sozialminister Buchinger mit 80 Tickets, wie man hört. Natürlich nicht ohne vorher ein paar Drohungen und Unmutsbemerkungen in Richtung Ärzte abzusetzen. „Kampfrhetorik“ ist nämlich nur Mitgliedern der Regierung erlaubt. Vielleicht auch noch dem ÖGB-Präsidenten, wenn er sich gegen eine Ausgliederung der Postler stark macht. Sollte vielleicht die Wahrnehmungskraft einiger Politiker stark getrübt sein? Sind’s krank? Jetzt sind wirklich allen Ernstes die Ärzte aufgerufen, ein paar bittere Pillen zu verteilen, damit die Herrschaften schnell wieder gesund werden.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 24/2008

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