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Pflege 5. Juni 2008

Demontage nicht hinnehmen

Die Ärzteschaft hat bekundet, dass man eine Demontage der Kassenärzte nicht hinnehmen wird. Die Solidarität, auch der angestellten Ärzte, war beeindruckend.

Seitens der Gesundheitsreformer glaubt man allen Ernstes, die Spitalsambulanzen werden die Patientenströme auffangen können. Nun, wer den Spitalsalltag kennt, weiß, wie wenig Luft in dem System ist. Schon jetzt gehen die Spitalsärzte am Zahnfleisch. Die Arbeitszeitregelung ist – trotz angekündigter Sanktionen – auf Grund der dünnen Personaldecke noch immer ein Hohn.
Die Kundgebung vorvergangenen Dienstag im Austria Center gibt einen Vorgeschmack darauf, dass es eine Gesundheitsreform ohne Ärzte nicht geben kann. Scheitern, das heißt auf halben Weg verhungern, könnten die Dottores nur dann, wenn ihre Standesvertreter kneifen. Eine Gefahr, die nicht von der Hand zu weisen ist. Bislang lief es wie immer: 1. Es steht die Verlängerung der Honorarvereinbarung an. 2. Die Kassen erklären kein Geld zu haben und drohen sogar mit Honorarreduktionen. 3. Die Ärztevertreter munitionieren die Basis bis geht nicht mehr auf; und 4. fünf vor/nach zwölf gibt es dann einen Kompromiss. Die Situation jetzt ist neu: Die Sozialpartner haben sich zu den Machern einer Gesundheitsreform ermächtigt, mit dem Ziel die Kassen zu sanieren, deren Verwaltungshoheit der Wirtschaft in die Hände zu spielen, die Ärzteschaft vollständig zu versklaven und die Gesundheitsversorgung zu industrialisieren. Dazu ist jedes Mittel recht. Während man bemüht war, den Ärzten klar zu machen, dass Umsatz nicht gleich Gewinn ist, entblödet man sich nicht, in der Öffentlichkeit die Kassenumsätze als Einkommen der Ärzte darzustellen.
Überhaupt: Da läuft einiges schief. Eine Ressortchefin, die wortbrüchig ist. Ein Chefverhandler, der dem Vizekanzler und Kanzler um einen Gesprächstermin nachläuft, um dann wie gewöhnlich von einem guten Gesprächsklima zu sprechen, ohne etwas Konkretes abgeholt zu haben. Und der Herrn Kopf, der mit allen Mitteln versucht, seine Vorstellungen durchzuboxen. Wenn es kommt wie bisher, wird man einen faulen Kompromiss schließen und das Problem um eine Vertragsdauer von fünf Jahren verschieben. Dann dürfte allerdings der Patient gar nicht mehr zu retten sein. Deshalb sollte man vielleicht doch jetzt zur bitteren Pille greifen und eindrucksvoll zeigen, dass es in Österreich ohne Ärzte kein „bestes“ Gesundheitssystem geben kann. Ob allerdings in dem fortgeschrittenen Stadium eine Drei-Tage-Therapie ausreicht, muss bezweifelt werden.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 23/2008

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