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Pflege 27. Mai 2008

Die Ärzte wollen streiken. Dürfen sie das?

Kopf, Laminger und Konsorten fahren über die Basisversorger des „weltbesten Gesundheitssystems“ drüber, als wären sie Fußabstreifer. Mit ihnen reden? Na, wo kommen wir denn da hin? Und jetzt mucken sie auch noch auf! Frechheit. Also wird nochmals ordentlich Gas gegeben. Einfach Schwung holen. Wird schon gehen. Mit massiven Drohungen wird nicht gespart: Wer streikt, verliert sofort den Vertrag! Die Oberzampanos – Gusenbauer und Molterer – haben andere Termine. Zum Arzt geht man erst, wenn es weh tut. Vorsorge klein geschrieben. Deshalb muss es weh tun. Am besten richtig weh!
Als Ärztin sollte Kdolsky eigentlich präventiv vorgehen und versuchen, ein funktionierendes Gesundheitssystem, welches bestenfalls an einer verlogenen Finanzierung krankt, gesund zu erhalten. Therapievorschläge gefällig? Finanzierung aus einer Hand. Entmachtung der Provinzkaiser und Bonzen. Echte Abgeltung politisch induzierter Kassenkosten. Echter Risken- und Kostenausgleich ohne Bundesland- und Kassengrenzen. Das wäre schon was. Da darf der Leistungskatalog schon einheitlich sein. Aber natürlich mit betriebswirtschaftlich kalkulierten Tarifen und ohne kassenpolitisches „Anmäuerln“, Deckelungen und explosiv wachsende Verbürokratisierung. Die letzten Jahre wurden gerade die Wiener Kassenärzte unter dem Vorwand, die Kasse habe kein Geld – wirklich nichts Neues –, mit Tarifanhebungen (Punktewert) unter der Inflationsrate abgespeist. Retrospektiv haben die Wiener ohnehin zu lange zugewartet, bevor ihnen der Kragen platzte – oder besser das Wasser bis zum Hals stand. Und was macht unsere liebe Kdolsky? Sie stellt in ganzseitigen Inseraten die Diagnose: „Wir bleiben gesund!“. Hoffentlich behält sie Recht.
Ein bisschen schwierig dürfte das angesichts der fortgeschrittenen Erkrankung schon sein. Erstens ist ganz offensichtlich die Diagnose falsch. Zweitens ist auch die Therapie falsch. Wenn dabei das Gesundheitssystem gesund wird, wäre das schon ein Wunder. Vor allem deshalb, weil es ja ohne kassenärztliche Betreuung gehen soll. Den Herrschaften wäre dringend anzuraten, im Rahmen der Qualitätssicherung politischer Ho-ruck-Entscheidungen eine Second opinion einzuholen. Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Dann allerdings sollte man auch gleich die „Ärztin“ wechseln und das gesundheitspolitische AVZ mit Laminger, Kopf und Co. Man kann ja schließlich nicht darauf warten, ob der Patient die nächste Fehldiagnose mit falscher Therapie zu überleben vermag. Gesund bleiben ist unter den gegebenen Umständen ziemlich schwer.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 22/2008

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