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Pflege 21. Februar 2008

Schlechte Aussichten: Wir nehmen das, was man uns gibt

Erich Laminger – Vorstandsvorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungen – machte sich als Metaller-Chefverhandler auf Seiten der Arbeitgeber einen Namen. Nunmehr macht er mit Aussagen „ Wir geben mehr, als wir nehmen“ von sich reden. Natürlich meint er, die Kassen geben mehr aus, als sie einnehmen. Klar. Das hat auch schon Gusenbauer verstanden. In den Randbemerkungen liegt jedoch die Würze. Nicht, dass er nach mehr Geld für die Kassen verlangt, die vom Mengenwachstum erdrückt werden – das würde ja die Lohnnebenkosten hinauftreiben. Nein, er moniert die Ärztedichte – besonders in Wien – als Ursache des Übels und vergleicht uns da auch gleich mit Friseuren: „ Wenn in einer Straße nur ein Friseur ist und in einer anderen fünf sind, müssen dann alle, die mehr Angebot haben, fünfmal so oft zum Haareschneiden?“ fragt er in einem Presseinterview.
Er gibt zwar zu, dass sich das auf die Honorarsummen nicht auswirkt, teilt aber gleich den zweiten Schlag aus: Unterschiedliche Honorare für gleiche Leistungen und ein diversifiziertes Katalogsystem schaffen den Ausgleich. Das kommt nicht von Ungefähr: Kandlhofer, Generaldirektor des Hauptverbandes, hat es sich schon ausgerechnet. Bei Erstellung eines einheitlichen Kataloges unter Annahme des billigsten Tarifes würden die Herrschaften wieder im Geld schwimmen. Natürlich vergisst man dabei mit voller Absicht die Entstehung dieser Tarifansätze. Sie sind im Laufe von Jahrzehnten gewachsen – durch Feilschen um Positionen und Prozente unter Außerachtlassung jeder Kostenrechnung.
Auf Ärztekammerseite wird man sich überrascht geben. Längst wurde intern eine ordentliche betriebswischaftliche Einzelleistungskalkulation angeregt. Wahrscheinlich aber aus den vielen zunehmenden internen „Rücksichteln“ immer wieder verworfen. Wer will schon eine seriöse Vorgabe haben, die zu erfüllen einem in der Beliebtheitsskala sicher nicht steigen lässt?
In der Niederlassungspolitik sieht es ähnlich aus. Anstelle von Standortplanungen, die der demografischen Entwicklung, den Anforderungen moderner Medizin und der Nachfrage der Kunden entsprechen, werden, so sich ein Interessent findet, Stellen blind nachbesetzt und eine Planstellenverdünnung für jene geschaffen, die sich mit einer Gruppenpraxislösung ihre Altersversorgung zu sichern hoffen. Es bedarf sicher einer gehörigen Neuordnung im Bereich der Kassenärzteschaft. Und das zuerst einmal vor der eigenen Tür. Es könnte sonst nur allzu leicht passieren, dass uns die Kandelhofer‘sche und Laminger‘sche Verstaatlichung überrollt. Dann gilt: Wir nehmen das, was man uns gibt.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 8/2008

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