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Pflege 14. Februar 2008

Täglich grüßt das Murmeltier

Am 30. Jänner ließ Bundesministerin Kdolsky noch verlauten: „Täglich grüßt das Murmeltier. Ein guter Tag beginnt mit einer Drohung der Ärzteschaft“. Der Frau konnte geholfen werden.

Rund 900 Kassenärzte unterstrichen durch ihre Anwesenheit bei der Informationsversammlung der Kurie der niedergelassenen Wiener Ärzte nur allzu deutlich, dass man nicht mehr gewillt ist, der mit außerordentlicher Ignoranz und Arroganz betriebenen Gesundheitspolitik länger untätig zuzusehen. Im Gegensatz zu dem etwas missglückten Anlauf im Herbst 2007 unter dem Motto „Wir streiken – wir streiken nicht – wir streiken vielleicht“ war die Linie diesmal ganz klar: „Wir informieren unsere Patienten“. Dass Gusenbauer – der Ex-Sozialfighter – und sein Umfeld nervös reagieren, ist weiters nicht verwunderlich. Bei über 17 Millionen Patientenkontakten pro Jahr haben Wiens Kassenärzte fast 1,5 Millionen Mal Gelegenheit, ihre Klientel auf die prekäre Situation hinzuweisen.
Der Unmut der Ärzteschaft ist nur zu verständlich. Haben sich doch Gusenbauer, Molterer, Kdolsky und andere Dampfplauderer offensichtlich darauf eingeschworen, die sich bereits seit Jahrzehnten verschlimmernde Finanzierungsproblematik der Gesundheitsausgaben mit einem spitzen Rotstift bei den Ärztehonoraren zu kurieren. Allein – es fehlt ihnen ein „Augenarzt“. Mit Einsparungen bei den Vertragsarzthonoraren, welche nur 16 Prozent der Gesamtaufwendungen der Kassen ausmachen, ist nichts zu holen. Ganz im Gegenteil: Bei der demografischen Entwicklung und dem medizinischen Fortschritt werden – wollen wir keine Zwei-Klassen-Medizin – die Kosten stärker wachsen als bisher. Die Androhung von kündbaren Kassenverträgen, AVZs, Facheinzelvertragsvereinbarungen und anderen Grauslichkeiten zeigen eigentlich nur allzu deutlich die soziale Kälte der Polit-Kapos gegenüber ihrer Wählerschaft.
Nun, die Kassenärzte helfen gern. Auch diesmal werden sie bemüht sein, die „Kranken Kassen“ und laborierende Regierungsmitglieder auf dem Weg der Genesung zu begleiten. Hilft die homeopatische Medizin nicht, muss man zu stärkeren Mitteln greifen. 1972 brachte der Ärztepräsident Dr. Friedrich Daume 7.000 Kollegen in die Wiener Herrengasse, als eine ASVG-Novelle den Kündigungsschutz der Kassenärzte abschaffen wollte. Für jene, die sich nicht daran erinnern können: Der Patient – damals Sozialminister Rudolf Häuser – wurde schlagartig „gesund“. Das Murmeltier grüßt gerne.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 7/2008

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