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Pflege 24. April 2008

Die blutige Spur des Vergessens

Wissenschaftler entwickelten einen neuen Test zur Früherkennung der Alzheimererkrankung. Der Bluttest könnte in den USA bereits diesen Sommer auf den Markt kommen. Griechenland und Großbritannien sollen bald nachfolgen.

Der Erfinder des Alzheimer-Bluttestes, das US-Pharma-Unternehmen Power3 Medical Products, publizierte seine Daten im Chemistry and Industry Magazine. Die Spezialisten auf dem Gebiet der Proteomik analysieren bei diversen Erkrankungen die Proteine des Blutes und suchen nach möglichen Veränderungen, die als Biomarker dienen könnten.

 Finger mit Blutstropfen

Foto: flickr / Bethany L King

Der Alzheimerspürtest – von den Entwicklern NuroPro getauft – sucht nach 59 verschiedenen Biomarkern und kann zwischen den neurodegenerativen Erkrankungen M. Alzheimer, M. Parkinson und Amyotropher Lateralsklerose (ALS) unterscheiden. Dabei hat die Blutanalyse eine Treffergenauigkeit von 60 bis 90 Prozent. Dies ergab zumindest eine klinische Studie mit rund 180 Patienten.
Derzeit ziehen die Neurologen zur Diagnose die Klinik, Familienanamnese, Neuropsychologische Durchtestung, Schädel-CT/-MR sowie – seltener – eine Liquorentnahme heran.
Der Bluttest könnte aufgrund seiner einfachen Handhabung eine frühere Krankheitsbestimmung ermöglichen und die Patienten so für eine gesündere Lebensführung sensibilisieren. Denn mit dem Fortschritt der Alzheimer-Erkrankung werden insbesondere (kardio)vaskuläre Faktoren in Verbindung gebracht. Besonders wichtig und wahrscheinlich krankheitsverzögernd wirken sich geistiges Training und gesellschaftliche Einbindung der Betroffenen aus. Pharmazeutisch stehen vor allem Acetylcholinesterase-Hemmer zur Verfügung, die allerdings spät im Krankheitsprozess verabreicht werden.
Internationale Experten zeigen sich zwar erfreut über das neue diagnostische Werkzeug, sind aber noch nicht ganz überzeugt und fordern weitere klinische Untersuchungen, welche die ersten Ergebnisse verifizieren sollen.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 17/2008

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