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Pflege 27. Mai 2008

Ängstlich und depressiv

Angststörungen und Depressionen sind oft vergesellschaftet. Da sich mit zunehmendem Alter die Pharmakokinetik ändert, werden bei älteren Menschen niedrigere Medikamentendosen in der Therapie der beiden Syndrome empfohlen.

Ob Angststörungen ein Risikofaktor für Depressionen sind oder ob umgekehrt das Entstehen einer Depression vom Schweregrad einer bestehenden Angststörung abhängt, darüber gibt es noch keine schlüssigen Untersuchungsergebnisse. „Verschiedene Studien belegen jedenfalls eine außerordentlich hohe Rate der Komorbidität von Angst und Depression.“ Das sagte Doz. Dr. Dietmar Winkler von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien auf den BrainDays Anfang Mai in Rust. Zwischen 30 und 50 Prozent aller Depressiven leiden auch unter einer Angststörung. Umgekehrt leiden 25 Prozent aller Menschen mit Angststörungen auch an Depressionen.
Die Komorbidität hat in mehrerer Hinsicht eine ungünstige Prognose. So sind die einzelnen Krankheitsepisoden länger, die Patienten sprechen schlechter auf die Therapie an, sind psychosozial stärker behindert und die Suizidraten sind höher als unter Patienten, die nur an einer Depression oder nur an einer Angststörung leiden.
Winkler unterstrich, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Therapie zur Vermeidung einer Chronifizierung seien: Dabei „sind sowohl psychopharmakologische als auch psychotherapeutische und soziotherapeutische Strategien gefordert“. Aufgrund der alterungsbedingt veränderten Pharmakokinetik könne damit gerechnet werden, dass antidepressive Medikamente eine veränderte Absorption, Verteilung und Ausscheidung aufweisen.
„Die Verstoffwechslung von Arzneimitteln ist im Alter verlangsamt“, betonte Winkler in seinem Vortrag, Medikamente blieben in höherer Konzentration länger im Körper, unerwünschte Nebenwirkungen könnten dadurch häufiger auftreten. Dies bedeute, so Winkler, „dass bei Patienten mit einer Altersdepression generell niedrigere Medikamentendosen verwendet werden sollten.“

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