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Pflege 8. November 2007

Lange Reise in die Nacht

100.000 Österreicher sind vom fortschreitenden Gedächtnis- und Persönlichkeitsschwund betroffen. In 30 Jahren könnten es mehr als doppelt so viele sein.

„Weiß er noch, dass er Präsident war?“, fragte die Moderatorin Ronald Reagans Tochter vor laufenden TV-Kameras. Maureen Reagan wich der Frage aus. Das war fünf Jahre, nachdem beim einstmals mächtigsten Mann der Welt Morbus Alzheimer diagnostiziert worden war. Noch ein Jahr zuvor war Reagan regelmäßig in seinem Büro im kalifornischen Simi Valley gewesen, 2004, zehn Jahre nach der Diagnose, starb der ehemalige amerikanische Präsident, in völliger geistiger Umnachtung, wie man früher gesagt hätte.

Teure Krankheit

Alzheimer, die Erkrankung des Gehirns, die durch fortschreitenden Gedächtnis- und damit Persönlichkeitsverlust gekennzeichnet ist, betrifft derzeit 100.000 Österreicher. Glaubt man den Prognosen, werden in 30 Jahren mehr als doppelt so viele die lange Reise in die Nacht antreten. Doch nicht nur für die Kranken selbst ist der unaufhaltsame Abbau eine Katastrophe. Die Pflege und Betreuung der Betroffenen wird zu 80 Prozent von Angehörigen geleistet, in neun von zehn Fällen von Frauen. Der hohe und lange Pflegeaufwand macht Alzheimer zu einer der teuersten Krankheiten.
In diesem Zusammenhang fordern Österreichs Alzheimerexperten gemeinsam mit Vertretern von Alzheimerverbänden und Vereinen der pflegenden Angehörigen dazu auf, im Kampf gegen die Alzheimerkrankheit alle vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen, um auf die dramatische Situation der Betroffenen und deren pflegende Angehörige sowie auf die enorme sozio-ökonomische Dimension dieses wachsenden Gesundheitsproblems hinzuweisen. Gelegenheit dazu wird am 24. November sein; an diesem Samstag findet im Wiener Rathaus zum zweiten Mal der Alzheimertag statt.

Wirksame Medikamente

„Obwohl es bis heute kein Medikament gibt, das die Alzheimerkrankheit heilen kann, hat der enorme Fortschritt in der medizinischen Forschung und den Pflegewissenschaften dazu geführt, dass mittlerweile wirksame Medikamente und angepasste Betreuungskonzepte für alle Stadien der Alzheimerkrankheit zur Verfügung stehen“, so Dr. Andreas Winkler, Alzheimerexperte und wissenschaftlicher Leiter des Wiener Alzheimertages. Dennoch vergehen im Schnitt mehr als zwölf Monate, bis die Zeichen der Erkrankung den Betroffenen dazu veranlassen, einen Arzt aufzusuchen. Oft verstreicht noch mehr Zeit.
„Bei der Größe des Problems müssen wir aber auch alle heute schon vorhandenen Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung nutzen. Bei einer frühzeitigen Diagnose und rechtzeitigem Beginn der Therapie ist es möglich, den Verlauf der Alzheimerkrankheit positiv zu beeinflussen“, so Dir. Dr. Marion E. Kalousek, Präsidentin der Österreichischen Alzheimer Liga. Dabei werden Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt. Durch eine späte Aufnahme in Pflegeheime werden zusätzlich Kosten gespart. Im Rahmen des wissenschaftlichen Programms des Alzheimertages wird unter anderem über die Fortschritte der Impfung gegen die Krankheit, über den Stellenwert der Bildgebung in der Diagnostik und über das Messen des Therapieerfolgs berichtet.

Quelle: Presseaussendung Wiener Alzheimertag/ET

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