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Pflege 13. November 2007

Was ist eigentlich mit den Spitzen der Ärztekammer los?

Was ist eigentlich mit den Spitzen der Ärztekammer los? Viele ihrer Schäfchen konnten in den vergangenen Tagen und Wochen den Kurs der eigenen Kammer nicht mehr ganz nachvollziehen.

Selbst eine Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Marketing (OGM), die im Auftrag der Kammer durchgeführt wurde, ergab, dass nur 66 Prozent der befragten Ärzte die Richtung der Ärztekammer als „richtig“ ansehen. Am zuerst angekündigten und dann „ausgesetzten“ Streik, der dann nur in einem Informationstag mündete, wollten sich viele Klinikärzte gar nicht beteiligen.
Tatsächlich hatte man den Eindruck, dass auch die Kammerfunktionäre nicht mehr wussten, wogegen sie eigentlich sind. Man war für eine Zusammenarbeit mit anderen Ärzten in eigenen GmbHs. Aber man war gegen die ambulanten Versorgungszentren (AVZ). Man ortete ein verstaatlichtes Gesundheitssystem à la DDR. Gleichzeitig fürchtete man private Konkurrenz durch Gesundheitskonzerne, die sich an den AVZ beteiligen.
Der Grund liegt darin, dass die Ärzteschaft selbst dem Thema gespalten gegenübersteht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch in Deutschland, wo bereits 2004 die gesetzliche Grundlage für medizinische Versorgungszentren (MVZ) geschaffen wurde, polarisiert das Thema. Ein MVZ ist eine fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtung. Im Unterschied zu den früher staatlich organisierten Polikliniken der DDR sind MVZ Gesellschaften bürgerlichen Rechts mit persönlicher Haftung der leitenden Ärzte.
Laut einer Studie der Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse können sich 80 Prozent der befragten niedergelassenen Ärzte nicht vorstellen, als Angestellte in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zu arbeiten. Gleichzeitig erleben die Zentren aber durch die restlichen 20 Prozent und durch frustrierte Spitalsärzte einen regelrechten Gründungsboom. Immer mehr Ärzte entscheiden sich nämlich gegen eine eigene Praxis: Zu viel Arbeit, geringe Honorare, hohe Schulden und bürokratische Gängelungen schrecken sie von der Selbstständigkeit ab. Und immer mehr Klinikärzte erwarten sich in MVZ weniger Druck, mehr Teamarbeit und mehr Gestaltungsmöglichkeiten.
Seit dem Jahr 2004 wurden 810 derartige Zentren gegründet. Zwischen Mitte 2006 und Mitte 2007 hat sich ihre Zahl sogar fast verdoppelt. Niedergelassene Ärzte zeigen dabei überraschend viel Unternehmergeist: Der Anteil der Zentren in Trägerschaft von Vertragsärzten beträgt laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) 62,4 Prozent. Nur 33 Stück waren in der Hand von privaten Klinikketten. Die Sorge der Kritiker scheint also unbegründet.

Das Buch "Medizin vom Fließband" von Martin Rümmele und Gerhard Flenreiss ist soeben im Springer Verlag WienNewYork erschienen.

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