zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 28. November 2007

Woran merkt man, dass Weihnachten immer näher rückt?

Weihnachten rückt immer näher. Woran man das merken kann? Unter anderem daran, dass die Zahl der Spendenaufforderungen rapid zunimmt.

Keine Frage, in der Wohlstandsgesellschaft, in der wir leben, ist man zu Weihnachten, wenn es gilt seine Lieben zu beschenken – und in froher Erwartung seiner Geschenke – durchaus spendenfreudiger. Und so flattern schon vor der Weihnachtspost Briefe ins Haus, in denen auf all das Elend hingewiesen wird, das es dringend zu lindern gilt. Laut Schätzung des österreichischen Instituts für Spendenwesen (ÖIS) – was es nicht alles gibt – lag das Spendenaufkommen der Privaten im Jahre 2006 über 400 Millionen Euro. Institutionen sind weit weniger spendabel. Aus deren Kassen konnten nur 30 Millionen „herausgepresst“ werden. Natürlich weiß man auch gleich, warum: Spenden sind nicht absetzbar.
Die Hitliste führt die Caritas mit über 60 Millionen an, gefolgt vom Roten Kreuz mit ca. 50 Millionen Euro. Die allseits bekannte Licht-ins-Dunkel-Aktion liegt deutlich abgeschlagen bei knapp über zehn Millionen. Überraschung: Ärzte ohne Grenzen sammelte fast zwölf Millionen ein. Eine stolze Summe. Die gilt es nicht nur zu verteidigen, nein, die gilt es ordentlich zu übertreffen. Deshalb ist es auch weiters nicht verwunderlich, dass die österreichischen Kollegen um Hilfe gebeten werden. Es ist nur die Frage, wie. Eine Möglichkeit ist ein persönlicher Brief vom Kollegen Dörflinger, seines Zeichens Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich, wo mit dem dramatischen Zuruf „Alle sechs Sekunden verhungert ein Kind!“ und dazu gehörigem Foto ordentlich Druck gemacht wird.
Schon ist man versucht, den Erlagschein auszufüllen – natürlich nicht zu knapp, weil „schon ein Euro rettet ein Kind“ – und ihn auf die Bank zu tragen, just in diesem Moment springt den spendierfreudigen Arzt ein 24-Bogen-Plakat ins Auge: „Ärzte legen einen Eid ab. Wir nehmen ihn ernst!“ Vorbei. Was machen wir Ärzte hier in Österreich eigentlich? Interessanter ist: Was macht Kollege Dörflinger? Was denkt er sich, wenn er, um Cash zu sammeln, jene Kollegenschaft diskriminiert, von der er sich Spenden und Freiwillige erwartet? Und was denkt sich das spendierfreudige „Mutterl“ wenn es lesen muss, dass nur die Ärzte ohne Grenzen „den Eid ernst nehmen“, und das im tiefen Schwarzafrika und nicht hier bei uns? Durchaus möglich, dass da Zweifel aufkommen und dass man sicherheitshalber zu einem anderen Erlagschein greift. Ein bissel ernst sollte man die Institution, der man spendet, nämlich schon nehmen können und das fällt bei dieser „griffigen“ Headline etwas schwer.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 48/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben