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Pflege 22. November 2007

Die Lobhudelei reißt nicht ab

Es reißt einfach nicht ab. Die Lobhudelei der Hauptverbändler in eigener (e-Card-) Sache. Selbst die Tatsache, dass fünf Jahre nach Einführung des blassgrünen Plastik-Stückerls 4,6 Millionen ersetzt werden müssen, ändert nichts daran.

Warum die Karten ersetzt werden müssen? Weil die Rückseite – die europäische Versicherungskarte – abläuft. War nicht vorauszusehen, oder? Bei dieser Gelegenheit könnte man auch gleich ein Foto integrieren. Nicht schlecht und nicht neu. Haben doch schon weit vor 2005 die Vertreter der Ärzteschaft den Charakter eines Lichtbildausweises anlässlich der unabwendbaren e-Card-Einführung gefordert. Damals waren die Hofers (Schörghofer und Kandlhofer) im Hauptverband der Sozialversicherungen mit anderen Problemen beschäftigt: galt es doch, das Projekt nach nahezu zehn Jahren Anlaufzeit so richtig durchzuziehen. Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne. Späne, die den Kassenärzten dann so richtig unter die Haut fuhren.
Aber sprechen wir über die Gegenwart: Schon jetzt müssen jährlich eine Million Karten ausgetauscht werden. Der Gesamtaufwand pro Jahr, also Kartentausch und Administration, wird mit 15 Millionen Euro beziffert. Auf SV-Seite, versteht sich. Rechnungshofgeprüft, versteht sich. Und ohne die arztseitigen Kosten zu erwähnen, versteht sich. Damit sie nicht ganz unter den Tisch fallen, seien sie hier mal nebenbei erwähnt: auch 15 Millionen Euro, wenn man Providergebühren, Betriebsmehrkosten und Arbeitsaufwand berücksichtigt. Entschuldigung. Aber es muss einfach in Erinnerung gerufen werden, dass sich die Wirtschaft mit einer Einmalzahlung aus der Affäre gezogen hat. Damit war die Krankenscheinadministration bei den Arbeitgebern weg. Gelandet ist sie bei den Kassenärzten.
Dass der Aufwand beträchtlich ist, lässt sich zwischen den Zeilen des Berichtes herauslesen. Seit Einführung der Behandlungs-Green-Card wurde diese 221 Millionen Mal gesteckt. Zwischen 350.000- und 580.000-mal täglich, brüstet man sich im Hauptverband. Man fragt sich, wofür. Wahrscheinlich dafür, dass ein Verwaltungsapparat es geschafft hat, eine Geldmaschine auf fremden Kosten zu entwickeln. 34 Millionen Euro berappen die Versicherungsnehmer pro Jahr als e-Card-Gebühr. Kein Wunder, dass sich das „e-Card-System ab 2008 rentieren wird“. Apropos 2008: Wann laufen die Providerstützungszahlungen aus? Schöne Aussichten – aber dafür mit Foto.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 47/2007

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