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Pflege 13. November 2007

Öffentlichkeitsarbeit, die wirkt

Öffentlichkeitsarbeit, die wirkt: Dass die Kassen pleite sind, weiß mittlerweile jeder.

Die Kassen sind pleite, die Kassen sind pleite, die Kassen sind pleite, … Allmählich kann man das schon gar nicht mehr hören, aber es wirkt. Jedes Jahr werden hohe Abgänge angekündigt, die bevorstehende Zahlungsunfähigkeit vorausgesagt. Dann geht es sich doch wieder aus. Dann sind es auf einmal ein paar hundert Millionen weniger, die den Kassenwarten fehlen. Die werden gleichzeitig in keiner Weise müde, an der Honorarsparschraube zu drehen. Honoraranpassun­gen von 3,6 Prozent wie bei den Metallern und 3,1 Prozent wie im Handel – davon können die Kassenärzte nur träumen. Verlangen kann man ja alles: Da werden Pakete geschnürt, die einer 50-Prozent-Erhöhung nahe kommen.
In der Öffentlichkeit kommt das nicht wirklich gut an. Vor allem ­versteht es die PR-Maschine der Kassen um vieles besser, ihre Not und die Maßlosigkeit ihrer Vertragspartner zu kommunizieren, als die Standesvertretung der Mediziner es schafft, den enormen Nachholbedarf (wie konnte der überhaupt entstehen?) zu erklären und ihre Existenzsorgen bei den Versuchen, die ärztliche Versorgung zu ver­staatlichen, verständlich zu machen. Schwarzflächige Inserate, die eher einer Parte Ehre machen ­würden, dürften da nicht greifen. Überhaupt im Nachhinein, wenn der Hut schon brennt. Besser – wenn der Hut schon abgebrannt ist.
Überraschenderweise tat dies bislang dem Image der Ärzte keinen Abbruch. Nach wie vor rangieren die Doktoren im Spitzenfeld, wenn es um Ansehen und Ver­trauen geht. Laut Umfrage haben die Patienten in der Mehrheit Verständnis für die Protestmaßnahmen. 86 Prozent der Bevölkerung haben „viel Vertrauen“ in die Österreichische Ärzteschaft, aber nur 21 Prozent in die Gesundheitsministerin. Netter Nachholbedarf.
Trotzdem wird nötig sein, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstär­-ken und zu optimieren. Da werden in Zukunft gelegentliche Protestschreie – schon gar nicht im Nachhinein – und Plakataktionen in den Praxen nicht reichen. Unverständlich ist, wie man ein derartiges Potential – den täglichen Patientenkontakt – ungenutzt lassen kann. Täglich frequentieren eine knappe Million Menschen Praxen und Spitalsambulanzen. Dort wird ihnen geholfen. Informationsbroschüren, TV-Screens etc. in den Wartezonen dienen aber bestenfalls dazu, den Patientenstrom in Apotheken und Gesundheitsstores weiterzuleiten. Bei solchen Kontaktzahlen läuft jedem Marketingmann das Wasser im Munde zusammen. Bei den Kassenärzten steigt es aber langsam bis zum Hals. Höchste Zeit für neue, professionellere und permanente Öffentlichkeitsarbeit.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 46/2007

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