zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 8. November 2007

Sechs Monate

Fürs Erste gibt‘s einmal sechs Monate „Rauchpause“. So lange darf weitergequalmt werden. Insider sind über diese Lösung nicht weiter verwundert. Befindet sich unsere Gesundheitsministerin doch im Einflussbereich der Wirtschaftskammer.

Das „AVZ-Attentat“ spricht Bände. Kein Wunder, dass die Gesundheitsministerin ihr medizinisches (Ge-)Wissen ignoriert und der Lobby der Beiselbetreiber unterordnet. Eine Vorbildfunktion für gesundes Leben will sie offensichtlich ohnehin nicht sein. Mit einem Schweinebratenkochbuch, einem Gelegenheitszigaretterl, Kostümauftritten und Outings über das Privatleben ist medial mehr Staat zu machen als mit seriöser Sachpolitik.
Vergessen dürften die medizinische Ausbildung und das Fachwissen sein, wenn es darum geht, sich als fachverantwortliche Ministerin ins Zeug zu legen. Dass Rauchen schädlich ist, ist mittlerweile im hintersten Eck Mitteleuropas Allgemeinwissen. Dass auch Passiv­rauchen gesundheitsschädlich ist, ist hinlänglich belegt und selbst über Fachkreise hinaus bekannt. Allein die Frau Gesundheitsministerin schätzt das Schutzbedürfnis der Wirte höher ein als die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung – Raucher und Nichtraucher. Ein Blick in die Krebsstatistik genügt: Über 3.500 Menschen sind im Jahr 2006 an Lungenkrebs verstorben. Das sind immerhin mehr als doppelt so viele Todesfälle wie beim Mammakarzinom und dreimal so viele wie beim Prostatakrebs. Atemwegserkrankungen sind der Grund für einen beachtlichen Teil der Krankenstandstage. Abgesehen vom menschlichen Leid verursachen die zum Großteil durch Rauchen induzierten Erkrankungen exorbitante Folgekosten. Dies zu verhindern bedarf keines aufwendigen Vorsorgeprogramms, sondern lediglich einer entsprechenden gesetzlichen Regelung.
Demgegenüber steht das angesagte Beiselsterben. Ein Blick über die Grenzen – dazu hätte es keiner Fact Finding Mission der Frau Bundesminister in die ferne USA, sondern lediglich eines Ausflugs nach Italien, Frankreich, England etc. bedurft, um zu erkennen, dass die Gastronomie andernorts trotz Rauchverbots floriert. Die weitere Verschleppung eines Rauchverbots bedeutet gewissermaßen Beihilfe zur Körperverletzung und Selbstgefährdung mit möglicher Todesfolge. Wenn die Staatsanwaltschaft nicht mehr mit Bank- und Polizei­skandalen beschäftigt ist, könnte sie sich mal dieses Themas von juristischer Seite nähern.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 45/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben