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Pflege 24. Oktober 2007

Alle zwei Jahre dasselbe Ritual

Alle zwei Jahre wiederholt sich in Wien dasselbe Ritual. Mit der Ankündigung der Gebietskrankenkasse, man habe keine Reserven mehr und sei praktisch in Kürze zahlungsunfähig, wird schon im Vorfeld den Wiener Kassenärzten deutlich signalisiert, es gebe keine Chance auf adäquate Honoraranhebungen.

Die Ärztevertreter wiederum drohen mit einem vertragslosen Zustand und überreichen ein Forderungspaket. Zeitgleich werden die Kassenärzte seitens ihrer Wortführer auf die unerträglichen Arbeitsbedingungen und Bezahlung hingewiesen. Als ob sie es nicht ohnehin ganz genau wüssten. Die administrative Mehrbelastung ist nahezu explodiert. Die Indexierung der Tarife war kümmerlich, wenngleich sich alle Beteiligten anlässlich des letzten Abschlusses vor zwei Jahren heftig auf die eigene Schulter geklopft haben.
Die Nerven liegen blank. Der Adrenalinspiegel der Kassenärzte wird mit Streik hin, Streik her, vertragsloser Zustand mal ja, mal nein, fest in die Höhe getrieben. Eine wesentliche Forderung neben jener nach einer ordentlichen Tarifanhebung und Tarifkatalogmodifikationen ist eine nach einer eigenen Abrechnungsstelle und zusätzlichen 80 Kassenverträgen. Ein Gustostückerl. Zum einen bedeutet dies – sollten die Gebietskrankenkassen wider Erwarten diesem Ansinnen entsprechen – eine weitere „Besserversorgung“ Wiens. Dies obwohl die Kassenarztdichte in der Bundeshauptstadt weit über dem Bundesdurchschnitt liegt und dieser deutlich über dem anderer europäischer Länder. Da man davon ausgehen muss, dass zusätzliche Kassenstellen kein zusätzliches Geld bedeuten, ist bei Umsetzung mit einer Honorarverdünnung von sieben bis acht Prozent zu rechnen. Dazu kommt, dass nur ein Teil der zusätzlichen Stellen für echte Mangelfächer Verwendung finden wird, sondern vielmehr dazu dient, jene Einzelpraxen zu Gruppenpraxen aufzupeppen, deren Betreiber sich derzeit nur lose an vertragliche Bestimmungen halten.
Die Kassenärzte stellen immerhin ein Drittel aller österreichschen Ärzte und versorgen 90 Prozent der Patienten im niedergelassenen Bereich. Da drängt sich die Frage auf, ob angesichts der vielen partikulären Interessen, die in ihren Arbeitsbereich auch seitens ihrer Standesvertretung hineinspielen, nicht dringend eine spezifischere, eine kassenärztliche Vertretung, wie es sie auch im Nachbarland Deutschland gibt, gefragt ist.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 43/2007

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