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Pflege 30. Jänner 2008

Fachleute werden nicht müde

Allerlei Fachleute werden nicht müde nach Einsparungen im Gesundheitswesen zu rufen. Und das seit Jahrzehnten. Echten Fortschritt gibt es keinen, stehen sich doch die politischen Interessen wirkungsvoll im Weg.

Das Thema dürfte aber jetzt endgültig hochgekocht werden. Die auflagenstärkste kleinformatige Tageszeitung nimmt sich neuerdings des krankenden Gesundheitssystems an. Mutig wird hier vom Interessenkonflikt zwischen Krankenkassenbossen, Landeshauptleuten, Bürgermeister und Regierung geschrieben, welcher bis dato verhindert hat, die Finanzierung in eine Hand zu legen.
Bei all dem Gerangel um das liebe Geld sollte man aber die Realität nicht aus den Augen verlieren. Unbestritten ist, dass die Gesundheitsausgaben im Vergleich zur der Inflationsrate doppelt so schnell angestiegen sind. Fakt ist, dass von 1996 bis 2006 die Anzahl der Versicherten um 13 Prozent angewachsen ist. Und der medizinische Fortschritt lässt die medizinische Behandlung nicht billiger werden. Bei einer Inflationsrate von ca. 20 Prozent in den letzten zehn Jahren und der vorgenannten Zunahme der Versicherten, mutet die Ausgabensteigerung von 48 Prozent im gleichen Zeitraum nicht gerade bedrohlich an. Nach wie vor liegt der Ausgabenanteil der Krankenversicherung bei 30 Prozent, 67 macht der Pensionsversicherungsanteil aus.
Der Hase im Pfeffer liegt eigentlich wo anders: Bedauerlicherweise konnten die Honoraranpassungen mit jener der Medikamentenkosten nicht Schritt halten. Während die Honorarumsätze in den Jahren 1996 bis 2006 von 1.526 Mio. auf 1.900 Mio. Euro und damit bei rasanter Leistungssteigerung um 24,5 Prozent stiegen, galoppierten die Medikamentenumsätze bei einem Anstieg von 1.170 Mio. auf 2.200 Mio. Euro (und das ohne Umsatzsteuer!) mit 88 Prozent geradezu davon. Die Ärzte haben sich regelrecht zum Pharmaaußendienst beim Patien-ten entwickelt. 16 Prozent mehr Packungen wandern entsprechend den Rezepturen über den Ladentisch der Apotheker. Natürlich bei gestiegenen Preisen. Entfielen 1996 noch 11,6 Arzneimittelpackungen auf einen Versicherungsnehmer und Aufwendungen von durchschnittlich 149,– Euro pro Jahr, so kann man den Statistiken des Hauptverbandes einen Anstieg auf 14 Packungen und einen Jahresaufwand von 274,– Euro pro Versicherten entnehmen. Die durchschnittlichen Arztkosten nehmen sich dagegen wahrlich bescheiden aus.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 5/2008

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