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Pflege 10. Jänner 2008

Obmann der WGKK gibt sich bescheiden

Der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse gibt sich bescheiden. Für seine in Not befindliche Kasse wünscht er sich nichts sehnlicher als saftige Rabatte bei seinen Vertragspartnern. Schöngeredet bezeichnet er das als Dämpfung.

Labors, Röntgeninstitute und Ärzte sollen Honorar­abschläge bis zu zehn Prozent hinnehmen. Das Wasser muss Franz Bittner wahrlich bis zum Hals stehen. Saftige Rabatte anstelle von Inflationsabgeltung. Der Gewerkschafter in Bittner dürfte gestorben sein. Wie sonst käme er auf die Idee, dass seine Vertragspartner von ihrer berechtigten Forderung nach Abschlüssen wie bei den Metallern, den Handelsangestellten und den Pensionisten von plus drei Prozent um ein Mehrfaches zurückstecken. Und das nach einer Ära von Jahren, in denen die Anpassung aus Rücksichtnahme auf die „arme“ Kasse hinter der Inflationsrate zurückblieb.
Man muss ihm genau zuhören, wenn er Paul Tesarek im ORF Rede und Antwort steht. Bei 370 Millionen Honorarumsatz will der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse von uns sieben Millionen Euro „Dämpfung“. Und einen moderaten (?) Honorarabschluss. Bei einem Krankenkassen-Gesamtbudget von 2422 Millionen Euro. Also wenn das das Kraut fett machen soll, muss ein Wurm drinnen sein. Vielleicht ein Verwandter des Hanusch-Krankenhaus-Wurmes. Dort beträgt der Abgang pro Jahr just sieben Millionen Euro bei 140 Millionen Umsatz. Seine bescheidene Einschätzung: „Wir sind eines der effizientesten Spitäler in Wien.“
Die ärztlichen Honorare machen etwa 15 Prozent der Krankenkassenkosten aus. Die Absicht, bei einem dreistelligen Millionenabgang gerade hier die Daumenschrauben anzusetzen, muss hinterfragt werden. Gegenvorschlag: die Einsparung der Chefarztstellen und des dazugehörigen Büroapparates würde ein Vielfaches bringen. Ganz abgesehen davon könnte die Kasse die frei werdenden Tintenburgen verscherbeln, um ihre offene Schulden abzudienen. Die „Nebenwirkung“ wäre lediglich ein schikanenfreier Zugang zu physikalischer Therapie, CT und MRT-Untersuchungen und einer Medikation, die dem Goldstandard uneingeschränkt entspricht. Was das Hanusch-Krankenhaus betrifft, so empfehle ich Modell Glanzing: schrumpfen, absiedeln, verkaufen. Die Lage eignet sich mittlerweile ohnehin besser für Luxuswohnungen als für ein laufend renoviertes „Lazarett“.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 1/2008

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