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Pflege 6. Dezember 2007

Geld für Beamte - Kein Geld für Ärzte

Geld für 400.000 Beamte – kein Geld für 40.000 Ärzte. Zehn Mandate oder eins. Tintenburgen oder Gesundheit.

310 Millionen Euro – in Worten dreihundertzehn – hat die Regierung für die Beamten. Beamtengewerkschaftsboss Fritz Neugebauer hat nach einer Startforderung von plus vier Prozent „immerhin“ 2,7 Prozent und eine Einmalzahlung von 175 Euro eingefahren. Im Schnitt ein stolzes Plus von 3,3 Prozent. Und das in einer Situation, wo es angeblich kein Geld gibt. Falsch: Es gibt genug Geld. Die Frage ist nur, für wen. Geld fehlt nur in den Krankenkassen und für die Krankenkassen. Die lässt man im Regen stehen. Ausgehungert. Die Methode ist einfach. Man bürdet ihnen immer neue Ausgaben auf und wartet auf Einsparungspläne. Man lässt sie mit der Mehrwertsteuerbelastung für Medikamente und Rezeptgebührhöchstgrenze ohne adäquate Abgeltung im Regen stehen. Immer unter dem Motto: Wir können eine Anhebung der Lohnnebenkosten nicht verkraften, wenn wir EU-tional konkurrenzfähig bleiben wollen. Interessant! Mehrkosten in unserer traditionell gepflegten Bürokratie verursachen der österreichischen Wirtschaft keine Kosten?
Eine Frage der Perspektive. 400.000 Beamte gegen 40.000 Ärzte. Zehn Mandate oder ein Mandat. Tintenburgen oder Gesundheit. Die Wirtschaftskammer trommelt, von Frau Gesundheitsministerin wird man bestenfalls erst wieder etwas anlässlich der Präsentation des heiß ersehnten, unverzichtbaren Schweinsbratenbuchs hören. Oder sie bleibt, wenn Molterer es will, weiter auf Tauchstation. Was will man mehr? Die Taktik wirkt. Nach der Erklärung der Wiener Gebietskrankenkasse, pleite zu sein, stimmt nun auch Niederösterreich ein. Was heißt einstimmen? Wie ein Tanzbär an der Nasenkette singt sie eine neue Strophe: Die Kassenhonorare müssen runter.
Schon vergessen? Es wird alles teurer. Metaller, Handel, Brauindustrie, Pensionisten und Beamte haben erwartungsgemäß abgeschlossen. Deshalb ist es nur natürlich, dass die Honorare angehoben werden müssen. Die Kassenärzte können ja schließlich nicht für die Erhöhungen der anderen aufkommen. Wir haben zwar keinen Neugebauer, aber wir haben einen Vizepräsidenten Steinhart hier in Wien. Er erklärt, es sei ihm egal, wo die Kasse das Geld herbekommt. Er wird noch Härte zulegen müssen. Im Interesse der Kollegen und der Patienten. Wenn es die Regierungsverantwortlichen nicht zuwege bringen, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt für die Österreicher zu erhalten und zu verbessern, wird es deren Pleite sein. Zu blöd, dass man selbst das – auch ohne Medizin – überleben kann.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 49/2007

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