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Pflege 11. Oktober 2007

Machen ambulante Versorgungszentren Hausbesuche?

Es begann alles damit, dass ein internes Papier über die bundesgesetzliche Regelung ambulanter Versorgungszentren die Ärztekammer zu früh erreichte. Zu früh deshalb, weil offensichtlich ein paar Aberschlaue glaubten, eine so weit reichende Änderung an Ärzten und Öffentlichkeit vorbei in und durch den nächsten Ministerrat zu schleusen. Zu den so Schlauen zählen laut gewöhnlich gut informierten Kreisen die üblichen Verdächtigen im Hauptverband und im Gesundheitsministerium. Über die Motive darf gerätselt werden. Sei es, man sieht im Hauptverband die Möglichkeit, auf diesem Wege alles Geld in einer „Zentralkasse“ zu bündeln, sei es, man meint im Ministerium, man könne so endlich die Störenfriede „Ärzte“ ausschalten und damit auch gleich gegenüber den Parteifreunden in der Wirtschaftskammer eine Gefälligkeitsübung erweisen.
Aus der Überraschung wurde nichts. Blöderweise fiel der „Diskussionsentwurf“ auch den Störenfrieden in die Hände. Diese hatten natürlich null Bock, sich als freier Berufsstand verstaatlichen zu lassen, während auf der anderen Seite das Familiensilber der Republik fest privatisiert wird, um Geld in die Staatskassen zu spülen. Es wurde – man staune – sofort und kurienübergreifend protestiert und mit massiven Gegenmaßnahmen gedroht. Natürlich geht es um die freiberufliche Existenz der Ärzte. Diese betrifft jedoch nicht nur die Kassenärzte, sondern alle. Denn wenn es nach jenen geht, die ausschließlich die Lohnnebenkosten und ihre Erträge vor Augen haben, kann man dieses Gesundheitssystem ruhig erst einmal verstaatlichen und damit an die Wand fah­ren. Wenn dann nichts mehr geht, sind die Erfinder wahrscheinlich schon von der Altersdemenz befallen und können die Früchte ihrer Saat nicht mehr genießen.
So weit wird es nicht kommen. Es geht ja gar nicht um die Doktores. In Wirklichkeit geht’s um die Versorgung der Bevölkerung. Und zwar in der Qualität, wie wir sie jetzt haben. Durch ambulante Ver­sorgungszent­ren anstelle von Praxen kann die Situation nicht besser werden. Man denke an das „Greißlersterben“. An das Zusperren der Postämter überall dort, „wo sich’s nicht rentiert“. Nur so weiter. Kapitalgesellschaften, deren Ziel Erträge, höhere Erträge und noch höhere Erträge sind, werden sich dort ansiedeln, wo Geld zu holen ist. Sicher nicht dort, wo die Luft dünner ist. Dort können dann vielleicht – als Ausnahmegenehmigung – Praxen bleiben. Ach ja: Noch haben die Krone oder Österreich im Namen ihrer Leser nicht die Frage gestellt: Machen AVZs Hausbesuche? Dann werden die Herrschaften wohl einen Arzt brauchen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 41/2007

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