zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 4. Oktober 2007

CSI Vienna – last call

CSI Vienna – last call. Während Fernsehserien, in denen gerichtsmedizinische Methoden im Mittelpunkt stehen, sich großer Beliebtheit bei der Seherschaft erfreuen, rationalisieren wir in Österreich diese Fachrichtung einfach weg.

Unter Berufung auf einen Rechnungshofbericht setzt die Stadt Wien neue Schritte in Sachen Gerichtsmedizin. Wohin?, darf man fragen. Antwort: Wie in Niederösterreich werden die sanitätsbehördlichen Obduktionen den Pathologen zugeschoben. Ein – natürlich selbst beauftragtes – Gutachten macht mög­lich, was gewünscht wird. Schritt eins: Wenn der Toten-Beschauarzt eine „unbedenkliche“ Diagnose stellen kann, bedarf es gar keiner Obduktion mehr. Der Pathologe als „praktischer Arzt“ der Toten. Er darf das. Kann er es auch? Damit bleiben in Wien nur mehr maximal 600 Obduktionen übrig. Diese machen dann die städtischen Pathologen. Dass diese nicht gerade auf nichtmedizinische Todesursachen spezialisiert sind, kratzt im Rathaus niemanden. Hauptsache billiger. Einen „Blauensteiner Tourismus“ nach Niederösterreich muss es damit auch nicht mehr geben, ätzen nicht zu Unrecht einige Medien.
Schon bis jetzt wurde die Gerichtsmedizin stiefmütterlich behandelt. Ein seit 1991 gültiger Vertrag regelte die Honorierung der sanitätsrechtlichen Obduktionen. Sie war nicht kostendeckend und valorisiert auch nicht. Die Verlagerung der Obduktionen in die städtischen Pathologien bringt es natürlich. Das Zaubermittel Abgangsdeckung wirkt nachhaltig – bis zum nächsten Rechnungshofbericht.
Dann sind da noch 600 gerichtlich angeordnete Obduktionen. Auch hier gibt es keinen Voll­kostenersatz. Kein Wunder, dass für Lehre und Forschung, der eigentlichen Aufgabe des Institutes an der Medizinuni Wien, wieder kein Geld bleibt. Zwei Millionen Euro Budget bedarf es, um die Infrastruktur für Lehre, Forschung und für gerichtliche und sanitätsbehördliche Obduktionen am Leben zu erhalten. Justiz- und Innenministerium wurden erst jetzt auf den Plan gerufen und scheinen unter dem Motto: „Ist der Patient erst tot, kann man ihn auch nicht wiederbeleben“ zu reagieren. Also ein Fall für den Pathologen. Lieber beschäftigt man sich mit der Kriminalisierung von Alko-Lenkern und sonnt sich in der medialen Aufmerksamkeit. Die Giftmörder und Konsorten lässt man laufen. Wenn alle Stricke reißen, reist wieder ein Minister auf „Fact-Finding-Mission“ nach den USA. CSI Miami wartet schon.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 40/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben