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Pflege 27. September 2007

Baba und fall net!

Ein Blick des AUVA-Obmanns Helmut Klomfar in die Statistik zeigte ihm auf, dass die Ursachenkategorie „Sturz und Fall von Personen“ überdurchschnittlich viele Unfälle und überproportional hohe Kosten in Relation zur Gesamtzahl der Unfälle verursacht. Für das Präventionsprogramm fand er sogar die Unterstützung der Frau BM Kdolsky. Während so die Werbetrommel gerührt wird, um die Zahl von Sturzunfällen bei der Arbeit zu verringern, und darüber hinaus aber auch das allgemeine Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zu erhöhen, trudelt die AUVA einem Finanzloch entgegen. Hier nicht hineinzufallen, würde es schon gewichtigerer politischer Hilfe bedürfen als Wohlgefallenskundgebungen anlässlich medialer Startschüsse.
Jahrelang wurden die Rücklagen der AUVA von den Regierungen geplündert. Das hatte schon Tradition. Mittlerweile ist der Griff in die Schatulle der AUVA subtiler geworden. Versorgt sie doch in ihren Unfallspitälern nicht nur Arbeitsunfälle, sondern 50 Prozent der Freizeitunfälle, die jedoch auf Grund einer ziemlich perfiden Regelung nur zu 24,6 Prozent der wahren Kosten abgedeckt werden. Nicht genug damit, darf die AUVA öffentliche Krankenhäuser, die Arbeitsunfallopfer versorgen, saftig quersubventionieren. Während die Unfallkasse 157 Millionen Euro pauschal abliefern darf, belaufen sich die anfallenden Kosten auf einen Bruchteil. So wandern 100 AUVA-Millionen in Gemeinde- und Landesspitäler. Bei Kostenwahrheit sähe der Kontostand der AUVA ganz anders aus. Man könnte sogar die Beitragsätze senken und somit die Lohnnebenkosten reduzieren.
Doch Gemeinden, Länder und Krankenkassen winken ab. Sie haben kein Geld. Was bleibt da einem noch kämpferischen Obmann? Er droht mit der Sperre des weithin bekannten Lorenz Böhler Krankenhauses, weil für die dringend notwendige Sanierung einfach die Millionen fehlen, die man ihm aus der Tasche gezogen hat. Dabei merkt er nicht, dass sich schon eine ganz neue Front formiert. Im herbstlichen Brainstorming ist Karl Heinz Kopf – Generalsekretär des Wirtschaftsbundes und Wunderwuzzi in SVA und Hauptverband – auf die Idee gekommen, die Unfallspitäler zu privatisieren. In diesem Fahrwasser meldete Humanomed-Chef Julian Hadschieff gleich sein Interesse an. Kann man doch bei der Streichung von Quersubventionierungen Kohle machen. Für andere gilt dann: Baba und fall net.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 39/2007

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