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Pflege 20. September 2007

ÄWOScop Nr. 38

Man bekommt den Eindruck, es wird wirklich ernst. Wie sonst ist zu interpretieren, dass sich sogar Die Presse dazu herablässt, auf der Titelseite zu klotzen: „Gesundheitsreform droht Scheitern“?

Dass das keine Sommerente ist, zeigt einem der Blick auf den Kalender. Jetzt, Mitte September, ist Schluss mit Ferien. Zwar gab es den Startschuss schon im August, aber das ist wohl eher Zufall, wenn man die Verursacherin kennt. Frau BM Kdolsky ließ die Diskussion mit der Bemerkung aufleben, man könne im Gesundheitssystem der Alpenrepublik an die drei Milliarden Euro einsparen. Was tut man nicht alles, um sich anderntags in der Zeitung wiederzufinden? Ganz schön anstrengend. Vor allem dann, wenn man sein Seelenheil in der Täglichkeit zu suchen scheint. Da kann man – besser Frau – wirklich nichts auslassen. Egal, ob Schweinsbraten oder Zigaretterl, ob Kondomverteilung an Schüler oder Csardas im Faschingsdress, ob privates Outing oder hartes Vorgehen gegen Kindergeldüberzieher. In gelegentlich auftretenden Pausen muss dann auch mal ein gesundheitspolitisches Thema her.
Also drei Milliarden zum Beispiel. Die reichen zumindest für zweimal: einmal fürs Einsparen und dann, nach klärenden Worten des obersten Ärztechefs, zum Verschieben. Wie bitte? Vom Spitalsbereich in die Praxen. Zu blöd: Noch am selben Tag klärende Worte – aber natürlich erst danach: Geld verschieben kommt nicht in Frage. Müssten doch die Spitalserhalter, die Bürgermeister und die Landesfürsten was hergeben. Das wäre schmerzhaft. Zu schmerzhaft. Und deshalb scheitert die Reform oder besser schon der Anlauf zum x-ten Male am Start.
Von kommunizierenden Geldtöpfen haben natürlich alle Gesundheitsreformfachleute gehört oder sogar selber davon gesprochen. Aber wenn es um die Eigenversorgung geht, sitzen sie alle fest auf der (verbindenden) Leitung. Somit ist der Titel vom drohenden Scheitern der Gesundheitsreform keine Neuigkeit, sondern ein neuerlicher Hinweis auf eine permanent anwachsende Bedrohung. Eine Bedrohung für die Bevölkerung. Die Ärzteschaft fühlt sich berufen, im vermeintlichen Existenzkampf vehement dagegen zu rudern. Wirklich betroffen sind jedoch die Patienten. Allen voran jene, die keine Generaldirektorenpension beziehen. Solange Ärzte alleine kämpfen, kratzt das niemand. Weder im Ministerium, noch im Hauptverband, noch in den Landesregierungen. Weh tun wird es aber müssen. Endlich ein echter Fall für die Schmerzspezialistin.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 38/2007

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