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Pflege 13. September 2007

Niederlassungspolitik zwischen Ahnungslosigkeit und Ohnmacht

Niederlassungspolitik zwischen Ahnungslosigkeit und Ohnmacht:
Frau BM Kdolsky hat neulich angekündigt, es werde in Kürze einen „Ärzte-GmbH-Gesetzesentwurf“ geben. Schön. Näher betrachtet: mehr als unschön.

Während Rechtsanwälte in GmbHs unter sich bleiben, sollen sich bei dem Kdolsky-Model alle möglichen Heil- und „Unheil-Berufe“ zu dieser Gesellschaftsform zusammenschließen können.
Also, wer braucht das? Um eine bessere Patientenbetreuung zu ermöglichen, ein entbehrliches Modell. Um eine bessere Kooperation zwischen Ärzten zu ermöglichen –in dieser Form –, ein untaugliches Modell. Damit bleibt diese Ankündigung eine von vielen, die bestenfalls dafür geeignet sind, die Aufmerksamkeit auf jene Ministerin in der Regierung zu lenken, die bis dato wohl keine einzige Gelegenheit dazu ausgelassen hat, (unangenehm) aufzufallen. Aber das ist wohl eine andere (eigene) Geschichte!
Pessimisten sind versucht zu sagen: Es ist sowieso egal. Schon allein deshalb, weil die Standesvertretung sich in keiner Weise effizient darum annimmt, geeignete Organisationsstrukturen für Großpraxen oder neue zeitadäquate Niederlassungsformen zu schaffen. Kein Wunder, scheitern schon Kassenstellenbesetzungen an kleinen, aber leider wichtigen Details. Natürlich gibt es Ausschreibungen und Reihungskriterien. Das war es aber schon! Den Bezirksärztevertretern mit einzubeziehen und den Bedarf zu analysieren, gerät zum Glücksfall. Das umso mehr, wenn bereits VIPs intervenieren und Kammerbeamte vorauseilende Gefälligkeit signalisieren. Der Leser glaubt nun sicher: gut erfunden! Leider: Alles ist möglich! Agiert eigentlich der Niederlassungs­ausschuss zwischen Ohnmacht und Ahnungslosigkeit? Es wird Zeit, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Na, wir werden doch nicht gleich so nachtragend sein. Bevor wir Gruppenpraxen in überversorgten Regionen zulassen und weiße Flecke akzeptieren, schießen wir uns lieber mit den größten Kanonen auf ein paar Kollegen ein, die auf Grund des hohen apparativen und personellen Aufwandes ihr Heil in der Betriebsform einer Krankenanstalt suchen. Unerhört, wenn dann auch noch der Gebietskrankenkassenvertrag „mitgenommen“ wird. Auf der anderen Seite schert sich niemand bei Kasse und Kammer, wenn dem Anspruch, dass die Leistung durch den Vertragsarzt selbst zu erbringen ist, mit multiplen, gleichzeitig anwesenden Vertretern elegant umgangen wird. Vorsicht: „quod licet …“. Damit ist die Ohmacht auch für jene nicht fern, die noch an ein Funktionieren des Systems glauben.
PS: Obengenanntes entstammt Informationen aus Wien. Ob Wien anders ist, bleibt dem Leser zu beurteilen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 37/2007

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