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Pflege 13. März 2007

ÄWOScope: Tirol ist anders – Ansteckungsgefahr?

Als erste der Ärztekammern hat die Tiroler Standesvertretung die Wahlen geschlagen. Nur vier Listen buhlten um die 49 Mandate. Wie erwartet, holte Präsident Wechselberger 27 Mandate für seinen „Verein unabhängiger Tiroler Ärzte“ ein. Das Wahlergebnis garantiert auch für die nächste Legislaturperiode eine schlagkräftige Standesvertretung unter der Ägide eines erfahrenen und erfolgreichen Präsidenten. Das ist nicht selbstverständlich Andere Länder andere Sitten. In Wien – die Wahl steht am 24. März an – kämpfen zwölf Listen um Wahlbeteiligung und um Stimmen. Von Wahl zu Wahl kommen neue dazu. „Italienische Verhältnisse“ nannte dies schon der inzwischen verstorbene Wiener und Österreichische Ärztepräsident Michael Neumann. Und damals waren es mit den Zahnärzten nur acht Fraktionen. Mit zunehmender Auswahl sank auch die Wahlbeteiligung. Zuletzt – 2003 – unter 50 Prozent. Während im Bereich der niedergelassenen Ärzte die Moral noch hochzuhalten war, verzichteten 63 Prozent der angestellten Ärzte vor lauter Begeisterung ob der wiederkehrenden und unerfüllten Wahlversprechungen auf ihr demokratisches Recht. Kein Wunder. Spüren doch alle Betroffenen, egal ob angestellt oder niedergelassen, den starken äußeren Feind. Gegen übermächtige Krankenkassen, einen fast Monopoldienstgeber – die Stadt Wien – und optimal koordinierte private Krankenversicherer können die Ärzte mit „Stethoskopfuchteln“ nur wenig ausrichten. Da bedarf es schon gemeinsamer Stärke. Allein die Aufsplitterung der Spitalsärzte bei den letzten Wahlen in die traditionel-len Gruppierungen und die „Wahlgemeinschaft Spitalsärzte“ lies lang anstehende Probleme ungelöst. Dienstzeitregelung, Überstundenabgeltung, Nebenbeschäftigungsfreiheit, adäquate Gehälter und so weiter sind nach zwei Legislaturperioden nach wie vor ungelöst. Die Turnusärzte können davon ein ganz besonderes Lied singen. Die beiden beim letzten Urnengang als „Sparefrohs“ angetretenen Listen haben in vier Jahren keine Außenwirkung zeigen können. Vielleicht deshalb, weil es einen Unterschied macht, fröhlich zu kandidieren und Unmögliches zu versprechen, als durch zeitaufwändiges Kammerengagement für die Wähler konstruktive Arbeitzu leisten. Ob in dieser Situation eine neue Wahlarztliste Sinn macht oder nur dazu beiträgt, noch weniger Kraft auf den Boden zu bringen, wird zu Zukunft zeigen.
Den Ärzten jedenfalls wäre eine starke, schlagkräftige Standesvertretung für die Zukunft zu wünschen, die an Turbulenz mit Sicherheit zunehmen wird. Ob der Wunsch nach Tiroler Verhältnissen ansteckend sein kann, wird sich spätestens in zehn Tagen zeigen.?

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 11/2007

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