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Pflege 7. März 2007

ÄWOScop: „Grippestationen“ statt Gangbetten

Gangbetten? Eigentlich nichts Neues. Aber immer wieder ein Thema. Die Frage ist: Für wen? In regelmäßigen Abständen wird darauf hingewiesen, dass Patienten am Gang liegen müssen. Meistens bei Epidemien – wie jetzt in Wien, wo 17.000 Menschen an einem grippalen Infekt leiden. Sicher ist dies nicht Wien spezifisch. Auch in anderen Bundesländern, besonders in anderen Ballungszentren, kann das auch so sein. Aber darüber spricht man erst gar nicht. Zumindest echauffiert sich niemand derart wie in Wien. Beliebt ist das Thema bei jenen, die es notwendig finden, ein politisches Lebenszeichen von sich zu geben. So auch diesmal. Die Opposition der Stadtregierung – Schwarz und Grün unisono – riefen die Presse zu Hilfe, um auf den Missstand hinzuweisen. Warum? Natürlich will niemand sich selbst oder einen Angehörigen in einem Gangbett sehen. Aber gelegentlich und immer wieder geschieht dies trotzdem. Vor allem deshalb, weil man bei der Bedarfsplanung der Spitalbetten nicht von Spitzen ausgehen kann. Trotzdem: Kritik ist angebracht und Änderungsbedarf gegeben. Das zeigt sich bestens am Beispiel der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien. Da gab es auf einmal 90 Notbetten. Die Antworten und Schuldzuweisungen ließen nicht auf sich warten und sind die eigentliche Schande. Erstens: Die Grippewelle ist schuld. No na. Zweitens: Die Spitälerchefin Susanne Herbeck habe in den Computer geschaut und nur einen Überbelag von 71 Notbetten gefunden. Sic! Dafür hat aber Herbeck auf „anderen“(?) Stationen 79 freie Betten gefunden. Wie bitte??? Natürlich eine Momentaufnahme via Computer. Aber Herrschaften – wieso gibt es keine entsprechende logistische Regelung, dies auszugleichen? Nein, da Bedarf es eines Machtwortes des Oberzampanos des Krankenanstaltenverbundes Willi Marhold – und „Grippestationen“ sollen eingerichtet werden. Einzig diese Fragen bleiben über: Warum erst jetzt? Und warum konnte die Personalvertretung vor Ort – zufällig Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer und Kurienobfrau in Personalunion – dieses Problem nicht schon längst mit dem Betreiberlösen? Möglicherweise war sie in ihren beiden Legislaturperioden mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt. Ärztekammerwahlen stehen vor der Tür. Und da sind für eine Wortspende auch Gangbetten gerade recht.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 10/2007

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