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Pflege 28. Februar 2007

Einsam ist, wer vergisst – oder vice versa

Gleich zweimal so häufig wie bei geselligen Menschen tritt die Alzheimer-Demenz bei Personen auf, die das Gefühl haben, allein zu sein, besagt eine amerikanische Studie.

Bereits mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass soziale Isolation und wenig Kontakt zu anderen Menschen mit der Gefahr verbunden sind, an kognitiven Fähigkeiten einzubüßen und dement zu werden. Umgekehrt wurde in Expertenkreisen auch angenommen, dass die Vereinsamung ein erstes Symptom der Alzheimer-Krankheit ist. Wenig war aber bisher darüber bekannt, wie sich emotionelle Isolation auswirkt, also das Gefühl, verlassen zu sein, das nicht immer mit tatsächlichem Alleinsein einhergehen muss. Alzheimer gehört seit Jahren zu den Forschungsschwerpunkten des Neuropsychologen Prof. Dr. Robert Wilson von der Chicagoer Rush University. Vier Jahre lang sammelte er mit seinem Team die Daten von 823 Alzheimer-Patienten. Die Studienteilnehmer beantworteten Fragebogen zum Ausmaß ihrer Sozialkontakte, wonach ein Einsamkeitsgradmesser von 1 bis 5 erstellt wurde. Zudem wurden sie hinsichtlich des Schweregrads ihrer Demenz bzw. Alzheimerschen Krankheit sowie gemäß ihrer Lern- und Gedächtnisleistungen eingestuft.

Menschen sind soziale Wesen

Zu Studienbeginn lag der später jährlich gemessene durchschnittliche Einsamkeitsgrad bei 2,3. Im Laufe der Jahre entwickelten 76 Teilnehmer Alzheimer, wobei sich herausstellte, dass das Risiko dafür mit jedem Punkt auf der Einsamkeitsskala um 51 Prozent zunahm, so dass Menschen mit einem hohen Einsamkeitswert von 3,2 mit einer rund 2,1-mal höheren Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkrankten als Personen mit einem Wert von 1,4. Einsamkeit ist laut Wilson kein Frühsymptom, sondern vielmehr ein Risikofaktor für Alzheimer. Denn bei der Autopsie der 90 Probanden, die während der Studie verstorben waren, zeigte sich zwischen jenen, die hohe Einsamkeitswerte gehabt hatten und jenen mit zahlreichen Sozialkontakten in den Nervenstrukturen keinerlei Unterschied. „Menschen sind soziale Wesen“, so Wilson in der in den Archives of General Psychiatry (2007; 64:234-240) veröffentlichten Arbeit. „Wir brauchen den Austausch mit anderen, um gesund zu bleiben. Unsere Studie zeigt, dass Menschen, die oft einsam sind, anfälliger für altersbedingte neurologische Beeinträchtigungen sind.“ Das Verbindungsglied zwischen Alzheimer und Einsamkeit ist jedoch noch nicht gefunden. „Freizeitaktivitäten helfen dem Gehirn möglicherweise, geistige Reserven aufzubauen, die die klinische Manifestation der Demenz hinauszögern können“, kommentiert Dr. Susanne Sorensen, wissenschaftliche Leiterin der US-amerikanischen Alzheimer-Gesellschaft.

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