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Pflege 1. September 2008

Warum kann ausgerechnet Byzanz als Wiege der klinischen Geriatrie betrachtet werden?

Dem allgemeinen Bewusstsein zufolge liegen die Wurzeln der heutigen Medizinethik in der Antike bzw. im klassischen hebräischen Verständnis. Die Anfänge der Spitalsmedizin sowie der institutionellen Altenpflege ortet man im Mittelalter beziehungsweise in der Neuzeit. Gerade zwischen diesen Epochen, genauer gesagt während der Zeit von Byzanz (324–1453), gab es zahlreiche Ärzte, die in vielen Bereichen einschließlich der Chirurgie und Augenheilkunde erstaunliche Fertigkeiten aufwiesen. Doch die größte Errungenschaft von damals war das öffentliche Spitalswesen. Dem christlichen Ideal von Philantropie folgend entstanden in vielen Städten in Byzanz zahlreiche Spitäler (nosokomeia), Hospize (xenodocheia) und Asyle für Alte (gerokomeia). Sie zeichneten sich durch eine bemerkenswerte Organisation und Professionalität aus; im Bezug auf ältere Patienten gab es interessante Erkenntnisse über die Alterung (eschatogeria), die geriatrische Symptomatik, die Multimorbidität, den Marasmus sowie typisch vorkommende Krankheiten. Interessante Ansätze gab es auch betreffend der Pflege, der Diät und des wünschenswerten Lebensstils für die alternden Menschen. Mit dem Fall von Byzanz (1453) und infolge unterschiedlicher kultureller Entwicklungen des Abendlandes, die mitunter durch Konflikte zwischen Kirche und Wissenschaft und Reglementierungen der Heilkunst gekennzeichnet waren, ging das Bewusstsein über das byzantinische Spitalswesen beinahe verloren. Es überlebte lediglich in den abendländischen Mönchsorden, die ihre Erfahrungen aus der östlichen Mittelmeerregion bezogen. Ihre Hospitäler wurden dann zur Grundlage für das heutige Spitalswesen und für die Altenpflege.

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