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Dermatologie 18. Mai 2006

Die Haut im Zeichen des Alterns

An der Haut ist das Alter eines Menschen am ehesten erkennbar. Eine dünnere Epithelschichte sowie weniger Fasern und Drüsen kennzeichnen die Haut im Alter. Und doch verläuft die Hautalterung bei jedem Menschen in unterschiedlich schnellen Schritten. Durch Exposition an UV-Licht, Tabakrauch oder Umweltgifte trägt jeder zu seiner individuellen Hautalterung günstig oder beschleunigend bei.

„Die Hautalterung fängt etwa im 20. Lebensjahr an. Die Geschwindigkeit der Regeneration im Epithel nimmt ebenso wie die Dicke der Epidermis ab. Etwa ab 30 geht die Talgdrüsenaktivität merklich zurück, die Haut wird trockener, erste Fältchen um Mund und Augen treten auf. Ab der Menopause kommt es bei der Frau zu einem weiteren Rückgang der Hauttrophik, Trockenheit und Empfindlichkeit nehmen weiter zu. Erste Alters- und Pigmentflecken lassen dann nicht länger über die vergangene Jugend hinwegsehen. Ab dem 60. Lebensjahr wird auch das Hautkolorit fahl, die Melaninproduktion nimmt ab und die Haut ist mittlerweile durchgehend faltig. Im Senium kann die einst überragende Widerstandsfähigkeit der Dermis so verringert sein, dass bereits beim Entfernen eines Pflasters eine Ablösung der darunter liegenden Haut möglich ist“, führte der niedergelassene Linzer Dermatologe Dr. Johannes Neuhofer anlässlich des Wiener Menopause- und Anti-Aging-Kongresses in Wien aus.

Erbliche Faktoren legen Rahmenbedingungen ...

Erbliche Faktoren legen die Rahmenbedingungen der Hautalterung. Neuhofer: „Wenn Sie die Eltern und Großeltern eines jungen Menschen betrachten, sehen Sie die Zukunft seiner Haut. Dennoch sind letztlich äußere Faktoren ausschlaggebend, ob und in welchem Ausmaß gute oder ungünstige Anlagen zum Tragen kommen.“

... vieles liegt jedoch in unserer Hand

In erster Linie lassen UV-Strahlen die Haut rascher und vorzeitig altern. „Dabei ist zu beachten, dass die früher angenommene Unterscheidung zwischen UV-A, den guten oder harmlosen Strahlen, und UV-B, den gefährlichen Verursachern von Hautkrebs und Falten, heute nicht mehr haltbar ist. Vielmehr konnte gezeigt werden, dass auch UV-A Licht dosisabhängig Alterungsprozesse der Haut verursacht. Die höhere Eindringtiefe dieser Strahlung und das Ausbleiben einer Sofortreaktion (Sonnenbrand) haben die Theorie von ‚gutem UV Licht’ zu Fall gebracht“, erklärte Neuhofer. Neben Strahlenschäden trägt vor allem der Tabakkonsum zur Hautalterung bei. Das von dicken Falten und eingefallenen Zügen gezeichnete Gesicht des alten Rauchers spiegelt die weitreichenden Schäden dieses Lebensstils wider. „Gegenüberstellungen eineiiger Zwillinge, also von Menschen mit identischen Erbanlagen, unterstreichen die Bedeutung äußerer Faktoren. Abhängig von der individuellen Belastung durch UV-Licht, Rauchen, aber auch Einflüssen der Ernährung oder Hautpflege, kann es im Alter zu erstaunlichen Unterschieden zwischen beiden Geschwistern kommen“, illustrierte Neuhofer anhand zahlreicher Fallbeispiele.

Haut und HRT

Neuhofer präsentierte auch interessante dermatologische Daten zur Hormonersatztherapie: unter Östrogensubstitution kam es bei menopausalen Frauen zu einer nachweisbaren Zunahme der Hautdicke. Diese ging anfangs auf vermehrten Flüssigkeitseinbau, längerfristig aber auf vermehrte Produktion von Kollagenfasern zurück. Umgekehrt könnte der vom Dermatologen messbare Kollagenverlust der Haut diagnostisch genützt werden: Er geht einem Faser- und Mineralisierungsverlust im menopausalen Knochen etwa ein Jahr voraus. Genug Zeit also, um wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Charakteristische Hauterscheinungen im Alter

Senile lentigines sind jedem bekannt. Die Altersflecken sind, wie auch seborrhoische Alterswarzen, harmlose Veränderungen der Haut. „Dennoch gehören gerade seborrhoische Keratosen abgeklärt, da eine potenzielle Verwechselbarkeit mit dem malignen Melanom besteht“ warnte Neuhofer. Stukkokeratosen, weißliche, wie aufgeklebt erscheinende kleine Knötchen, treten gerne an sonnenexponierten Körperstellen auf. Sie können mit der durch eine Pilzinfektion bedingten Pityriasis versicolor verwechselt werden. Die Haut alter und ältester Menschen kann sehr empfindlich werden: Ein zu heftiger Händedruck kann bereits zu flächenhaften Blutungen im Sinne einer Purpura senilis führen. „Veränderungen, wie wir sie auch nach langer Kortikoidtherapie sehen“, ergänzte Neuhofer. Neben ihrer großen Bedeutung im Knorpelgewebe hat die polymere Hyaluronsäure eine wichtige Aufgabe in der Haut: Sie verteilt sich wie ein Puffer zwischen den Fasern des Bindegewebes und kann dort große Mengen an Flüssigkeit einlagern. Die Wasserspeicherkapazität der Haut wird maßgeblich durch den Gehalt an Hyaluronsäure bestimmt. Die feuchtigkeitsreiche Haut des jungen Erwachsenen enthält etwa 0,33 Prozent der polymeren Säure, während dieser Anteil bei 60-Jährigen auf 0,15 Prozent und bei 70-Jährigen auf 0,007 Prozent abfällt. Neuhofer: „Die Hyaluronsäure trägt zum straffen, vollen Bild der jungen Haut bei. Sie hat aber auch eine wichtige Schutzfunktion gegen freie Radikale. Das Ziel künftiger Therapiestrategien wird eine Anregung der Neusynthese dieses Moleküls in der Haut des älteren Menschen sein.“

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 20/2006

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