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Neurologie 28. Februar 2006

Alzheimerrisiko zu 80 Prozent genetisch bedingt

Auf der Suche nach den Ursachen für die fatale Gedächtnisschwäche sind amerikanische Forscher ein Stück weiter gekommen.

Bis zu 80 Prozent des Risikos, an Alzheimer zu erkranken, ist genetisch bedingt. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Southern California gekommen. Die Wissenschaftler untersuchten fast 400 ältere Zwillingspaare, bei denen zumindest ein Zwilling an Alzheimer litt. Zusätzlich zeigte sich, dass genetische Faktoren festzulegen scheinen, wann eine Person an Alzheimer erkrankte. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Archives of General Psychiatry veröffentlicht.

Klassisches Studiendesign mit eineiigen Zwillingen

Die Wissenschafter ermittelten mit Hilfe des Swedish Twin Registry 392 Zwillingspaare, die alle über 65 Jahre alt waren. Das Team untersuchte, wie häufig Alzheimer bei beiden eineiigen Zwillingen oder nur bei einem der beiden auftrat. Diese Verteilung wurde auch bei zweieiigen Zwillingen berücksichtigt. Es zeigte sich, dass bei eineiigen Zwillingen eher beide an Alzheimer erkrankten als bei zweieiigen. Eine statistische Analyse der Risiken der beiden Gruppen ermöglichte eine Einschätzung der Bedeutung der genetischen Faktoren. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass Erbfaktoren bei 58 bis 79 Prozent eine Rolle spielen.

Erkrankungsausbruch mit knappem zeitlichen Abstand

Waren beide Zwillinge erkrankt, hatte das Leiden bei 25 eineiigen Zwillingspaaren mit einem zeitlichen Abstand von 3,66 Jahren eingesetzt. Bei 20 zweieiigen Zwillingspaaren lag der Unterschied bei 8,12 Jahren. Das lässt laut Studienautoren den Schluss zu, dass die Gene für den Zeitpunkt der Erkrankung eine Rolle spielten. Mit der bisher größten Studie dieser Art wollen die Wissenschaftler nachgewiesen haben, dass die Erblichkeit von Alzheimer hoch ist, und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Jedoch spielten auch nichtgenetische Faktoren eine wichtige Rolle und könnten der Fokus von Interventionen zur Verringerung des Erkrankungsrisikos oder zur Verzögerung des Krankheitsbeginns sein. Derzeit bestehe der zuverlässigste Rat für potenzielle Patienten darin, dass ein gesundes Herz auch mit einem gesunden Gehirn in Zusammenhang stehe. Zwei Drittel der Patienten über 65 Jahren mit einer Demenz leiden laut BBC auch an Alzheimer. Es wird erwartet, dass die Anzahl der Erkrankungsfälle mit dem Älterwerden der Bevölkerung ansteigt. Genmutationen, die das Erkrankungsrisiko beeinflussen könnten, wurden nachgewiesen. Sie scheinen jedoch nur bei wenigen Betroffenen eine Rolle zu spielen. Wissenschaftler führen häufig Studien mit Zwillingen durch, um festzustellen, ob genetische oder umweltbedingte Faktoren das Krankheitsrisiko beeinflussen. Eineiige Zwillinge verfügen über die gleiche genetische Ausstattung. Hat eine Krankheit eine starke genetische Ursache, ist es daher wahrscheinlich, dass beide Zwillinge betroffen sind. Erkrankt nur ein Zwilling, sind umweltbedingte Faktoren die wahrscheinlicheren Auslöser.

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