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Pflege 10. November 2005

Pflanzenextrakte könnten Zelldegeneration bremsen

Nach einer optimistischen Einschätzung könnten bereits in drei bis vier Jahren mit Pflanzenextrakten Erfolge bei der Bremsung der durch überschüssige bzw. fehlgeleitete freie Sauerstoffradikale beeinflussten Zellalterung und den damit einhergehenden degenerativen Erkrankungen verzeichnet werden. Das erklärte Doz. Dr. Pidder Jansen-Dürr vom Innsbrucker Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Mit zunehmendem Alter werden im Körper des Menschen mehr Sauerstoffradikale gebildet. An so genannten Endothelzellen der Blutgefäße habe experimentell gezeigt werden können, dass beim Älterwerden der Zellen in Kultur innerhalb von 180 Tagen bis zu 30 Prozent in den Zelltod (Apoptose) gehen, erklärte Jansen-Dürr.

Oxidativer Stress als treibende Kraft

Unter Einwirkung eines bestimmten Sauerstoffradikals zeigten die Zellen in einer weiteren Untersuchung schon nach drei Tagen vorzeitige Alterung. Dies legt die Vermutung nahe, dass oxidativer Stress tatsächlich die treibende Kraft für die Zellalterung ist, sagte Jansen-Dürr, Leiter der Abteilung für Molekular- und Zellbiologie des Instituts. Das Altern bzw. Sterben der Zelle dürfte dabei der Grund „für die meisten, wenn nicht alle altersabhängigen degenerativen Krankheiten sein“, erklärte der Forscher. Im Fall der Blutgefäße beispielsweise werde das Immunsystem auf den Plan gerufen, um die entstandenen „Zelltrümmer“ wegzuräumen. Dabei komme es zu entzündlichen Prozessen, die ihrerseits den Nährboden für Atherosklerose bilden.

Gezielte Suche nach Pflanzensubstanzen

Im Jahr 2006 werde das Institut für Biomedizinische Alternsforschung in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Medizin Tirol (KMT) voraussichtlich beginnen, nach Pflanzensubstanzen zu suchen, die „selektive antioxidative Wirkung“ haben. Die Idee dabei sei, dass man beim Einsatz von pflanzlichen Mitteln im Gegensatz zu dem von chemischen Substanzen nur den überschüssigen und fehlgeleiteten Radikalen zu Leibe rücken könnte. Als Signalmoleküle gebrauchte „gute Radikale“ sollten von den „intelligenten Antioxidantien“ unbeeinflusst bleiben, sagte Jansen- Dürr. Bis zum Auffinden solcher Substanzen bleibt denjenigen, die langsamer altern wollen, unter anderem die Möglichkeit, weniger (und gesund) zu essen: In Experimenten – unter anderem an Rhesusaffen – sei gezeigt worden, dass sich der Alterungsprozess deutlich verlangsamte, wenn die Tiere nur 70 Prozent der normalen Kalorienanzahl zu sich nahmen. Besonders in den USA forsche man nun nach Substanzen, die diesen Effekt haben, ohne hungern zu müssen, so Jansen-Dürr.

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