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Ulrike Martin, Geschäftsführerin von Hausengel Österreich
 
Pflege 5. März 2017

„Qualität und Ausbildung sind uns wichtig“

Personenbetreuer. Seit September 2016 ist der private Vermittlungsdienst für Personenbetreuer, „Hausengel“, auch in Österreich aktiv tätig.

Ulrike Martin ist seit vielen Jahren in verschiedensten Bereichen des österreichischen Gesundheitswesens tätig. Im Gespräch mit der Ärzte Woche erklärt sie die Besonderheiten des Unternehmens „Hausengel Österreich GmbH“ und des österreichischen Markts.

Was zeichnet das Unternehmen Hausengel als Vermittlung und Qualifikation von 24-Stunden-Betreuung aus?

Martin: In Österreich gibt es laut Statistiken mehr als 700 Vermittler. Das ist für dieses kleine Land sehr viel, selbstständig gemeldet als Personenbetreuer sind etwa 70.000. Das heißt also, der Markt ist sehr eng und man kann sich hier nur über Qualität abheben. Hausengel fungiert als Ansprechpartner sowohl für die Personenbetreuerin als auch für die zu betreuende Person, deren Angehörigen, Sachwalter und weitere Kontaktpersonen. Ein Vorteil für alle Seiten ist die langjährige Erfahrung des deutschen Mutterunternehmens, das seit mehr als zwölf Jahren am deutschen Markt vertreten ist. Zur Sicherstellung einer hohen Qualität gibt es eine hauseigene Fortbildungsabteilung, die Hausengel-Akademie in Deutschland, die für die Personenbetreuer eine solide Grundausbildung und Weiterbildungen anbietet. Hier hat die Hausengel Akademie auch ein neues eLearning-Tool gemeinsam mit dem Springer-Verlag entwickelt, das seit Ende vergangenen Jahres eingesetzt wird. Damit erhalten die Personenbetreuerinnen eine exzellente Weiterbildung.

Ein weiterer Beitrag für die bestmögliche Qualität in der Betreuung ist unsere Pflegemanagerin, die seit Februar dieses Jahres in unserer Wiener Niederlassung arbeitet. Unsere diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin besucht die zu betreuenden Personen bzw. Familien und erfasst mit der Bedarfsanalyse, welche speziellen Betreuungsanforderungen berücksichtigt werden sollen. Dafür ziehen wir beispielsweise auch die Biografie der zu betreuenden Person heran, was gerade für die Betreuung Demenzerkrankter wichtig ist. Gegebenenfalls erhebt sie auch die Pflegeanamnese und delegiert die notwendigen Tätigkeiten nach den Vorgaben des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes an unsere Personenbetreuerinnen.

In regelmäßigen Abständen werden in den Familien Qualitätskontrollen durch Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege durchgeführt. Die zu betreuende Person unterstützen wir auch bei den Förderanträgen und geben über rechtliche Rahmenbedingungen Auskunft. Wir stellen unseren Kunden ein Rundum-Paket zur Verfügung.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Gesundheitsberufen?

Martin: Die Vernetzung mit den Ärzten, insbesondere den Allgemeinmedizinern, steht bei uns ebenso im Fokus, wie jene mit Pensionistenklubs und mit Krankenanstalten – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Dank der persönlichen Betreuung der Kunden durch unsere Pflegemanagerin, können Änderungen im Krankheitsbild der zu betreuenden Person schnell erkannt und dem zuständigen Hausarzt/Facharzt mitgeteilt werden. Im direkten Kontakt mit dem Hausarzt oder Facharzt können dann auch entsprechende Änderungen in der Betreuung vereinbart werden. Situationsabhängig wird im interdisziplinären Team bedarfsgerechte Fachpflege zusätzlich vermittelt.

Die Personenbetreuer wissen, dass sie in Notfällen insbesondere die Pflegemanagerin 24 Stunden am Tag erreichen können. Sollte es zu Konfliktsituationen kommen, können wir auch auf muttersprachliche Kolleginnen zurückgreifen, die mit den Betreuungskräften kommunizieren können. Das ist auch wichtig, damit sich diese in der sehr anstrengenden Tätigkeit aufgehoben fühlen.

Wie erfolgt die Rekrutierung und Vermittlung von Betreuungskräften durch Hausengel?

Martin: Wir setzen Betreuerinnen aus Ungarn und der Slowakei, manchmal auch aus Rumänien ein. Das Recruiting findet im jeweiligen Heimatland der Personenbetreuer statt, wo wir Tochterunternehmen betreiben. Personenbetreuer, die von uns vermittelt werden möchten, müssen die nötige Ausbildung und einen Strafregisterauszug, der nicht älter als drei Monate ist, vorlegen. Die Überprüfung der Deutschkenntnisse sowie die fachliche Eignung zur Verrichtung der Grundpflege erfolgt bereits in den Herkunftsländern durch unsere Tochterunternehmen. Wichtig ist uns, dass wir jede Personenbetreuerin, die in Österreich tätig werden wird, persönlich kennen.

Wir kümmern uns auch persönlich darum, dass das Gewerbe tatsächlich angemeldet wird und dass die Personenbetreuerin bei der Familie polizeilich angemeldet wird, dass sie alle Informationen über die rechtlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf Kammerumlage, Sozialversicherung usw. erhalten. Wenn sich die Familie entscheidet, mit Hausengel zusammenzuarbeiten, gibt es vorab mit der Personenbetreuerin eine Einschulung für die spezielle Situation durch die diplomierte Pflegekraft.

Wie sind die Reaktionen – bei den Personenbetreuern und bei den zu Betreuenden?

Martin: Qualität und auch die Ausbildung sind uns wichtig. Wir erheben in Befragungen, insbesondere bei der Familie, aber auch bei der Betreuungsperson die Zufriedenheit und stellen eine hohe Kundenzufriedenheit fest. Durch die erforderliche Ausbildung erlangt auch die Personenbetreuerin selbst Sicherheit: Sie kann mit verschiedenen Krankheitsbildern gut umgehen und wir merken, je besser wir die Personenbetreuerin ausbilden, desto besser funktioniert es in der Familie. Durch die Qualitätskontrollen Vorort kann man auch schon im Vorhinein vielen Konflikten entgegenwirken.

Lassen sich österreichische Besonderheiten erkennen?

Martin: Wirklich gute Deutschkenntnisse sind am österreichischen Markt das Um und Auf. Wir vermitteln nur Personenbetreuerinnen ab Sprachkenntnisstufe B1, wobei von den Kunden in der Regel B2 oder C1 verlangt wird. Die Personenbetreuerin erfüllt ja auch eine Gesellschafterfunktion, das heißt, sie muss die zu betreuende Person anregen, muss ihr etwas vorlesen können. Dazu bedarf es wirklich relativ guter Deutschkenntnisse. Zusätzlich muss die Betreuung in deutscher Sprache dokumentiert werden. Es gibt viele Personenbetreuer am Markt, aber es ist schwierig, Kräfte zu finden, die diese Deutschkenntnisse erfüllen.

Eine Besonderheit in Österreich ist die hohe Anzahl an Agenturen. Auch Ärzte klagen über das Problem herauszufiltern, welche Organisation die rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllt, ob die Personenbetreuerinnen tatsächlich das Gewerbe angemeldet haben usw. Für denjenigen, der sucht, ist es also schwierig, jemanden Professionellen zu finden. Positiv sehe ich, dass es in Österreich klare gesetzliche Regelungen gibt, sowohl für Personenbetreuerinnen als auch Vermittler. Die seit 2015 geltenden Ausübungs- und Standesregeln und auch die Förderbarkeit der Personenbetreuerinnen ab der Pflegstufe 3 für die Familie zusätzlich zum Pflegegeld sehe ich sehr positiv. Voraussetzung für diese zusätzliche Förderung ist die gute Ausbildung der Personenbetreuerin.

Das Gespräch mit Ulrike Martin, Österreich, führte Verena Kienast

, Ärzte Woche 10/2017

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