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Pflege 14. Juli 2016

Lob dem Spiel

Für manche Menschen ist das Spiel eine Besonderheit des menschlichen Verhaltens, wobei freilich auch manche Tiere ganz offenkundig gerne Zeit mit Spiel verbringen. Für andere Menschen gehört das Spiel bestenfalls zum Kindsein und ist später nutzlos und daher Zeitverschwendung. Spiel ist allerdings tatsächlich eine sehr wichtige Beschäftigung — nicht nur im Kindesalter, denn es bietet einen geschützten Raum, um seine Fähigkeiten zu erproben und zu erweitern. Sowohl auf motorischer als auch auf kognitiver und mentaler und auf sozialer Ebene. Die Vielfältigkeit der Spiele mit ganz einfachen Mitteln und wenigen Regeln bis hin zu sehr komplexen Spielsituationen und hohen Anforderungen an das Geschick der Spieler zeigt auch die vielen Ebenen, die beim Spiel involviert sind. Spiele, die mit materiellen Konsequenzen verbunden sind, stellen dabei allerdings eine eigene Kategorie dar, um die es hier nicht gehen soll.

Neue Fähigkeiten zu entwickeln und vorhandene zu trainieren, ohne reale negative Folgewirkungen befürchten zu müssen, sind in jedem Lebensalter hilfreich und sinnvoll. Die Selbstvergessenheit und Konzentration auf das Spielgeschehen, die Interaktion mit anderen, die Akzeptanz von gemeinsamen Regeln und das assoziative Denken sind nur einige der Aspekte, die im Spiel für das Wohlbefinden der Spielenden sorgen. Daher ist das Spiel auch eine Form des Zugangs zu sonst eher schwer erreichbaren Menschen. Ursula Stöhr beschäftigt sich als Pädagogin und Dozentin in der Altenpflege seit vielen Jahren mit der Kraft des Spiels als integrativem Faktor speziell bei älteren Menschen und zeigt, wie sich Ressourcen von Pflegebedürftigen spielerisch mobilisieren lassen. Gewisse Parallelen mit einem spielerischen Zugang liegen auch der Betrachtung des Medizinethikers Giovanni Maio in dieser Ausgabe von procare über das besondere Wesen der Pflege nahe. Flexibilität und kreatives Entscheiden gehören hier wie dort dazu und letztlich sollte in beiden Bereichen die Freude am Tun nicht veloren gehen — in der ebenso notwendigen Ernsthaftigkeit.

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