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Viele Medikamente – viele Quellen für unerwünschte Arzneimittelwirkungen.
 
Pflege 22. Februar 2016

Für mehr Sicherheit

Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe in Altenheimen im Pilotprojekt

Was in vielen Altenheimen bislang dem Zufall überlassen ist, wird nun in einem Projekt in Münster erprobt: Das Zusammenwirken von Hausärzten, Apothekern und Pflegenden bei der Medikamentenversorgung.

Die neue „Initiative zur (Arzneimittel-) Therapiesicherheit in der Altenhilfe durch Kooperation und Teamwork“ (InTherAKT) soll die Zahl der unerwünschten Arzneimittelereignisse senken. „Die unerwünschten Arzneimittelereignisse sind vielfach das Resultat suboptimaler Prozesse in der Arznei-Versorgung“, erklärte Projektleiter Prof. Jürgen Osterbrink, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis an der Paracelus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg, bei der Vorstellung von InTherAKT in Münster. Ziel sei es, eine Art Schutzschild für die betagten und hochbetagten Patienten zu erarbeiten.

An dem auf zwei Jahre angelegten Versorgungsforschungsprojekt beteiligen sich neun Altenpflegeeinrichtungen, elf Apotheken und 14 Hausärzte. Als Kooperationspartner haben sich die Apothekerkammer Westfalen-Lippe, die Barmer GEK, die Facharzt Initiative Münster, das Pharmaunternehmen Grünenthal, der Hausärzteverbund Münster und die KV Westfalen-Lippe zusammengefunden.

Gemeinsame Schulung schafft gemeinsames Bewusstsein

Für das Projekt werden Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte gemeinsam zum Thema der Arzneimitteltherapiesicherheit geschult. Hinzu kommen berufsgruppenspezifische Online-Schulungen. Zu verschiedenen Zeitpunkten werden dann in den Einrichtungen Daten zu den Patienten und zur Arzneimittelversorgung erhoben und von einem Forscherteam der PMU ausgewertet. Die Projektbeteiligten haben währenddessen Zugriff zu einer webbasierten Kommunikationsplattform, die das zentrale Element des Projekts darstellt. Die Online-Plattform ermöglicht die direkte Kommunikation zwischen Pflegenden, Hausärzten und Apothekern. „Durch ein Benachrichtigungssystem können aktuelle Veränderungen in der Medikation oder des Zustands der Bewohner schneller und sicherer mitgeteilt werden.“

Über die Plattform können Arzt oder Apotheker zudem Fallkonferenzen einberufen. Durch ein nachvollziehbares Verlaufsprotokoll könne jeder sehen, wer was eingetragen hat, so Osterbrink. Langfristiges Ziel sei es, die Plattform in die handelsübliche Arzt- und Apothekersoftware zu integrieren.

Nicht Schuldzuweisung, Zusammenarbeit ist das Ziel

Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, wie sie sonst beim Thema Arzneimitteltherapiesicherheit durchaus üblich sind. „Das Einzigartige an dem Projekt ist die Integration von Berufsgruppen, die noch vor wenigen Jahren aneinander vorbei agiert haben“, betont Dr. Ralf Becker vom Vorstand des Hausärzteverbunds Münster. Das Projekt wirkt damit einem für die Arzneimittelversorgung in Altenheimen typischen Problem entgegen, so Dr. Oliver Schwalbe von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: „Zum richtigen Zeitpunkt wird nicht der richtige Ansprechpartner gefunden.“ Werde hier Abhilfe geschaffen, wirke sich das positiv auf die Versorgung aus.

Quelle: Ärzte Zeitung

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