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Blasenkatheter sollten frühestmöglich wieder entfernt werden
 
Pflege 29. März 2015

Dauerkatheter öfter hinterfragen

Ist die Indikation bei Verlegung noch gegeben?

Fünf bis zehn Prozent der Heimbewohner haben einen Dauerkatheter, häufig über Jahre hinweg. Kritisch hinschauen ist gefragt.

Eigentlich sollten Blasenkatheter nur bei strengster Indikation gelegt und frühstmöglich wieder entfernt werden. Der Umgang mit Kathetern im Spital ist aber häufig anders, erklärte Dr. Bernhard Liedl, Zentrum für Urogenitalchirurgie München, beim deutschen Urologenkongress 2014.

Schon vor Jahren zeigte sich mit 21 Prozent ein hoher Anteil nicht gerechtfertigter Kathetereinlagen auf Intensivstationen, die in fast jedem zweiten Fall bei Verlegung auf Allgemeinstationen beibehalten wurden.

In einer anderen Studie wussten 29 Prozent der Ärzte und Medizinstudenten nicht einmal, dass ein Katheter bei einem Patienten überhaupt lag. Bei 31 Prozent der Patienten mit Blasenkatheter war dieser nicht indiziert, das war aber 41 Prozent der Ärzte nicht bewusst ( Saint et al.: Am J Med 2000; 109: 476 ).

„Und wenn die Patienten dann ins Altersheim verlegt werden, weiß keiner mehr, ob der Katheter eigentlich nötig ist oder nicht“, beklagte Liedl. Das habe als Körperverletzung eigentlich strafrechtliche Relevanz. Die Indikationsstellung und die Wahl des Verfahrens seien kritisch zu stellen – auch suprapubische Katheter seien keine ideale Lösung. Sie reduzierten zwar Harnröhrenkomplikationen, die übrigen Komplikationen seien aber vergleichbar häufig wie bei einem Blasenkatheter.

Bei multimorbiden Patienten im Alten- und Pflegeheim müsse zudem an andere mögliche Ursachen von Inkontinenz und Blasenentleerungsstörungen gedacht werden. „Für manche Patienten gibt es sicher bessere Lösungen als einen Katheter“, ist sich Liedl sicher. Das Verhindern einer Bakteriämie ist beim Dauerkatheter auch bei aseptischer wie atraumatischer Katheterisierung nicht möglich. Das Management der polymikrobiellen Bakteriurie und Inkrustierung sowie die Vermeidung von Komplikationen stehen im Vordergrund.

Wichtig sei ein geschlossenes System und ein ständig freier Urinfluss. Das „Blasentraining“ sei unwirksam oder gar riskant, die Verwendung von Katheterstöpseln fragwürdig. Katheterspülungen verringerten in Studien nicht die Inzidenz febriler Episoden.

Bei symptomatischen Infektionen sollten nicht nur Antibiotika verabreicht, sondern auch der Katheter ersetzt werden. Die präventive Antibiotikagabe resultiere rasch in der Entwicklung von resistenten Stämmen. Ebenso wenig zu empfehlen sei die Harnansäuerung, um Inkrustierungen zu verhindern. In einer Studie schien das die Inkrustierung noch anzuregen. Auch starre Katheterwechsel sind nicht zeitgemäß, betonte Liedl. Wichtig sei der symptomorientierte Katheterwechsel.

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