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Neurologie 12. Juli 2005

Demenz – die Uhr tickt!

Im Rahmen der Int. Schlaganfall-Fortbildungswoche BrainDays 2004 in Pamhagen am Neusiedlersee diskutierten internationale Experten die Möglichkeiten, dieses drohende Schicksal rechtzeitig ins Auge zu fassen. Besondere Bedeutung nimmt hierbei die Therapie des Bluthochdrucks und des Diabetes mellitus ein. US-Forscher plädieren dafür, die Möglichkeiten, durch präventive Maßnahmen gegen Schlaganfall Alzheimer-Erkrankungen verhindern zu können, genauer unter die Lupe zu nehmen. In ihrer Studie haben Dr. Lawrence S. Honig vom Alzheimer-Forschungsinstitut in New York und Kollegen knapp 1.800 gesunde Personen im Alter zwischen 65 und 105 Jahren untersucht. Alle eineinhalb Jahre wurden von den Studienteilnehmern Daten erhoben. Nach einer Beobachtungszeit von maximal sieben Jahren gab es 331 Studienteilnehmer, die während der Studie einen Schlaganfall bekommen hatten, oder bei denen aus der Zeit vor Studienbeginn ein solches Ereignis bekannt war. Gleichzeitig war bei 212 Personen eine Demenz-Erkrankung diagnostiziert worden. Bei 85 Prozent wurde ein Morbus Alzheimer diagnostiziert.

Schlaganfall erhöht das Risiko, an Demenz zu erkranken

Die Analyse der Daten ergab, dass innerhalb eines Jahres etwa fünf von hundert Personen an Morbus Alzheimer erkrankten, wenn ein Schlaganfall eingetreten war, und vier, wenn ein solches Ereignis nicht stattgefunden hatte. Insgesamt, so errechneten die Autoren, bestehe für Personen mit einem Schlaganfall ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko für die degenerative Hirnerkrankung. Das Risiko war signifikant um den Faktor zwei erhöht, wenn außer dem Schlaganfall auch eine Herzerkrankung vorlag, um den Faktor 2,3 bei gleichzeitiger Hypertonie und um den doppelten Faktor bei gleichzeitigem Diabetes mellitus. Diese Ergebnisse verdeutlichen eindrücklich, wie wichtig die Therapie bei kardiovaskulären Erkrankungen ist, um Schlaganfälle als einen der wesentlichsten Risikofaktoren für eine Demenz zu verhindern. Ein Punkt, der sich auch im wissenschaftlichen Programm der BrainDays 2004 niederschlug. Hier versuchten Internisten, Neurologen und Psychiater gemeinsame Lösungsmöglichkeiten zu finden, um dem kollektiven „Vergessen“ Einhalt zu gebieten. Es wurden daher auch die aktuellen, Evidenz-basierten Empfehlungen zur Demenztherapie (Österreichische Alzheimergesellschaft) bei der Veranstaltung von Experten präsentiert und anschließend diskutiert.

Kardiovaskuläres Risiko muss reduziert werden

Im präventiven Vordergrund steht natürlich eine konsequente antihypertensive Therapie, die nach den jüngsten Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga auch eine initiale Kombinationstherapie sein kann. Hier sind Diuretika, ACE-Hemmer, AT-II-Blocker und Kalzium-Antagonisten vom Dihydropyridin-Typ an erste Stelle zu stellen. Ergänzt wird diese Therapie gegebenenfalls bei begleitender koronarer Herzkrankheit durch Verordnung eines Betablockers. Auch die gezielte Anwendung von Thrombozytenaggregationshemmern sollte als Option, gezielt etwas gegen cerebrale mikrovaskuläre Veränderungen tun zu können, im Hinterkopf behalten werden. Bislang ist zwar noch nicht endgültig belegt, dass das Vermeiden von Schlaganfällen mit dazu beitragen kann, die vielfach als schicksalhaft angesehene Entwicklung dementieller Erkrankungen zu begrenzen. Doch liegen bereits erste Daten vor, die diese These stützen.
Ein Beispiel ist die Syst-Eur-Studie bei Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie. Sie hat ergeben, dass unter antihypertensiver Therapie nicht nur die Rate von letalen und nicht-tödlichen Schlaganfällen um 42 Prozent, sondern auch die Quote dementieller Erkrankungen um 50 Prozent niedriger war als unter Placebo. Die Summe aller bisher vorhandenen Indizien, die für einen engen Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und der Entwicklung von Demenz-Erkrankungen sprechen, erlauben nicht, auf harte Studien-Daten zu warten, um noch stärker präventiv zu werden als bisher.

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