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© Klaus Rose / Bildjournalist
Der aktuellen Gesundheitsreform folgend, sollen Primärversorgungszentren künftig auch Wundmanagement anbieten.
 
Pflege 19. Jänner 2015

Spezialist für Wunden werden

Chronische Wunden benötigen hohe Kompetenz zur richtigen Behandlung.

Die Behandlung chronischer Wunden ist langwierig und mühsam und braucht Zeit. Eine unzureichende Behandlung führt zu zusätzlichen Verzögerungen im Heilungsprozess und damit zu einem erhöhten Leidensdruck beim Patienten, aber auch zu höheren Kosten. Mehr Kompetenz in Sachen chronischer Wundbehandlung ist also dringend notwendig.

Das Risiko, im Spital ein Druckulcus zu entwickeln, beträgt in Österreich elf Prozent, in der Gesamtbevölkerung liegt die Häufigkeit derartiger chronischer Wunden bei etwa drei Prozent. Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 liegt die Prävalenz von Dekubitus im Akutspital bei 4,5 Prozent, in der Langzeitpflege bei elf bis 25 Prozent. Die Zeit, bis ein Dekubitus mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern verheilt, beträgt drei bis vier Monate – im besten Fall. Im schlechteren Fall kann es neun bis zwölf Monate dauern, berichtet Prof. Dr. Gerald Zöch, Facharzt für Plastische Chirurgie in Wien.

Das bedeutet: Kosten, Leidensdruck, Schmerzen und eingeschränkte Mobilität. Der Spitalsaufenthalt verlängert sich und die Mortalität steigt. „Viele dieser Wunden wären absolut vermeidbar“, stellt Zöch fest. Betroffen sind nicht nur alte Menschen. Nach einem Unfall oder einem Schlaganfall beispielsweise steigt das Risiko aufgrund der Immobilität des Betroffenen ebenso wie bei Patienten mit Durchblutungsstörungen und Diabetes.

Der Versuch, das diabetische Fußulcus zu verstecken

So sind auch Fußulcera infolge einer diabetischen Durchblutungsstörung mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Die Rate an Unterschenkelamputationen sei in Österreich eine der weltweit höchsten, so Zöch. Das Problem bei diesen Patienten sei oft, dass sie das Ulcus verstecken. Bis der Patient zum Spezialisten kommt, vergeht dann viel wertvolle Zeit. Jeder Diabetespatient sollte daher regelmäßig vom Arzt auf Druckstellen oder bereits vorhandene Wunden an den Füßen untersucht und auf die Bedeutung der Fußpflege hingewiesen werden.

Ausbildung für Pflege und Ärzte

Die Ausbildung in Sachen Wundmanagement beruhte bisher vor allem auf Freiwilligkeit und eigenem Engagement. So bietet die Donau-Universität Krems als einer von mehreren Anbietern beispielsweise seit drei Jahren einen Lehrgang Wundmanagement für die Pflege an, die Ärztekammer eine Ausbildung zum Zertifikat „ärztliches Wundmanagement“. Die neue Ausbildungsordnung für Mediziner beinhaltet nun erstmals auch eigene Module „Wundmanagement“.

Der Großteil des Wundmanagements wurde und wird derzeit von der Gesundheits- und Krankenpflege wahrgenommen, wobei auch künftig die Arbeit im Team aus Arzt, Pflege und Patient bzw. Angehörigen für eine optimale Wundversorgung notwendig sein wird, betonte Zöch. Der aktuellen Gesundheitsreform folgend, sollen Primärversorgungszentren künftig auch Wundmanagement anbieten. In der Steiermark ist man schon einen Schritt weiter: Dort können Pflegepersonen mit nachgewiesener Kompetenz auch die benötigten Wundversorgungsprodukte verordnen.

Die Bezeichnung „Wundmanager“ wurde übrigens im vergangen Jahr untersagt. Derzeit wird der Begriff „Spezialist für Wundmanagement“ verwendet, allerdings, so Peter Kurz, diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger und Geschäftsführer der interdisziplinären WPM Wund Pflege Management GmbH, gebe es derzeit keinen rechtlichen Rahmen im Wundmanagement und keine Aufsicht. Und auch die Verwendung von Expertenstandards findet in Österreich keine breite Anwendung. So sei der Deutsche Expertenstandard Dekubitusprävention und -behandlung derzeit nur in einer Institution implementiert. Eine Leitlinie Kompressionstherapie sei allerdings derzeit für den gesamten deutschsprachigen Raum in Ausarbeitung.

Prävention zahlt sich aus

Die Kosten chronischer Wunden sind enorm, stellt Zöch fest: Pro Patient sei, vor allem durch den verlängerten Spitalsaufenthalt mit Zusatzkosten von 5.000 bis 20.000 Euro pro Patient zu rechnen, die Mehrkosten in sechs Monaten liegen bei etwa 27.000 Euro, bei einem längeren Spitalsaufenthalt bis 86.000 Euro. Die Kosten einer wirksamen Prophylaxe betragen dagegen nur fünf bis zehn Prozent der Mehrkosten für eine solche Behandlung. Prävention zahlt sich also aus.

Quelle: Pressekonferenz anlässlich der Fachtagung Wundmanagement, Wien, 14. November 2014

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