zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 15. September 2014

Im Alter ist der Schmerz allgegenwärtig

Erste Einblicke in die Schmerzsituation und deren Management in Altenpflegeheimen

Obwohl Alten- und Pflegeheime täglich mit dem Thema Schmerz konfrontiert sind, ist die Wahrnehmung und demzufolge eine adäquate Therapie des Schmerzes noch immer nicht ausreichend etabliert. Das Thema Schmerz im Alter und in der stationären Langzeitpflege ist immer noch viel zu wenig beachtet, obwohl es viele Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie für alte und sehr alte Menschen gibt.

Die Pflegewissenschaft an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg hat sich gemeinsam mit der SeneCura Kliniken- und HeimebetriebsgmbH aus Wien der Thematik angenommen und in Kooperation mit der Salzburger Universitätsklinik für Geriatrie eine österreichweite Studie zur Untersuchung der Schmerzsituation in Altenpflegeheimen durchgeführt. Bei der Tagung der österreichischen Schmerzgesellschaft wurden erste Erkenntnisse dieser Studie präsentiert, in deren Fokus die Schmerzsituation der Bewohner und das Schmerzmanagement in den Einrichtungen der Langzeitpflege standen.

Studiendesign der OSiA

Die OSiA-Studie, die für „Optimiertes Schmerzmanagement in Altenpflegeheimen“ steht, ist eine Interventionsstudie in zwölf Altenpflegeheimen. In die Erhebung wurden Bewohner mit und ohne kognitive Einschränkungen einbezogen und befragt bzw. beobachtet, um ihre Schmerzsituation zu untersuchen. Die Bewohner ohne kognitive Einschränkungen wurden zudem nicht nur zu ihrer Schmerzsituation, sondern auch zum Schmerzmanagement in der Einrichtung befragt. Darüber hinaus wurden Untersuchungen zur Mobilität, zu möglicher Depression und zur Ernährung durchgeführt, da von einem Zusammenhang zwischen Schmerz und den Aspekten Mobilität, Depression und Ernährung ausgegangen wurde.

Bei einer Online-Befragung wurde das Schmerzmanagement aus Sicht der Pflegenden erfasst. Zudem wurden die medizinischen und pflegerischen Einträge der Bewohnerdokumentation analysiert.

Optimierungspotenziale entwickelt

Aus den Erhebungen bei den Bewohnern und den Pflegenden hat das Forscherteam Optimierungspotenziale für die Planung von Interventionen zur Verbesserung des Schmerzmanagements gewinnen können. Optimierungspotenziale ergaben sich unter anderem für die Bereiche Qualifizierung sowie Vernetzung aller an der Schmerzversorgung beteiligten Berufsgruppen, medikamentöse und ärztliche Versorgung am Wochenende und Systematisierung der Schmerzerfassung.

Die Einrichtungen bekamen eine übersicht mit allen Potenzialen, die sich aus der Erhebung ergaben. Gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement sollten diese auf Relevanz für die jeweilige Einrichtung geprüft und Interventionen abgeleitet sowie umgesetzt werden.

Fortbildung und systematische Schmerzerfassung implementiert

Zwei Interventionen wurden für alle zwölf Einrichtungen vom Forscherteam initiiert und begleitet. Es handelte sich dabei um die Qualifizierung der Pflegenden zum Thema Schmerz, wozu 100 Pflegende an einer Weiterbildung zur Pain Nurse teilnahmen. Zudem wurde eine systematische Schmerzerfassung für das einrichtungseigene EDV-System entwickelt, die aus validierten Screening- und Assessmentinstrumenten besteht.

Nach der Interventionsphase zur Implementierung von Maßnahmen zur Optimierung des Schmerzmanagements wurde die Zweiterhebung durchgeführt, um zu überprüfen, ob sich die Schmerzsituation der Bewohner und das Schmerzmanagement verbessert hatten.

Beträchtlicher Teil der Befragten leidet unter Schmerzen

Die Ergebnisse der OSiA-Studie bestätigen die Annahme, dass ein beträchtlicher Teil der Befragten unter Schmerzen leidet. Zwei Drittel der kognitiv leistungsfähigen Bewohner haben Schmerzen in Ruhe oder Belastung. Bei rund 80 Prozent der kognitiv Beeinträchtigten konnten deutliche Zeichen von Schmerzverhalten beobachtet werden.

Die Schmerzen bei Belastung sind höher als in Ruhe, was sich damit erklären lässt, dass die meisten Bewohner unter altersbedingten, degenerativen Beeinträchtigungen leiden und Schmerzen in den Gelenken der Beine und Arme beklagen. Darüber hinaus zeigt sich deutlich, dass die Schmerzen Depressionen begünstigen können. Zudem können Schmerzen einen ungünstigen Einfluss auf Appetit und Mobilität haben.

Verbesserung ist möglich

Mit den Ergebnissen lässt sich auch sehen, dass das Schmerzmanagement optimiert werden kann und Bewohner in der Langzeitpflege Schmerzen nicht als oft altersbedingt vermutetes übel hinnehmen müssen.

Neben den vom Forscherteam initiierten und begleiteten Interventionen wie die Qualifizierung der Pflegenden und die Systematisierung der Schmerzerfassung ergaben sich in den Einrichtungen vielfältige Eigeninitiativen. Es wurden zum Beispiel Informationsmaterial für Bewohner und Schulungen für Pflegehelfer entwickelt, verstärkt nichtmedikamentöse Schmerzbehandlungsmaßnahmen angeboten und eigens eingerichtete Schmerzbehandlungsräume etabliert.

Dieser erste Einblick in die pflegewissenschaftliche Studie zur Schmerzsituation und dem Schmerzmanagement in Altenpflegeheimen zeigt nicht nur die hohe Brisanz der Thematik anhand der hohen Schmerzprävalenz. Die Studie zeigt auch, dass eine Optimierung des multiprofessionellen Schmerzmanagements zur Verbesserung der Schmerzsituation von Altenpflegeheimbewohnern möglich ist. Die Auswertung der Posttestung dieser Studie befindet sich gerade in vollem Gange und in Kürze dürfen wir mit der Veröffentlichung von detaillierten Ergebnissen rechnen.

Abb. 1:  Schmerzen hängen häufig mit Depression, Mobilität und Ernährung zusammen.  Photo: © Petr Nad/fotolia.com

Abb. 1: Schmerzen hängen häufig mit Depression, Mobilität und Ernährung zusammen. Photo: © Petr Nad/fotolia.com

Abb. 2:  Schmerzen bei Belastung sind höher als in Ruhe.

Abb. 2: Schmerzen bei Belastung sind höher als in Ruhe.

Dipl.-Pflegewirtin Maria Schreier, Ulrike Stering, Stefan Pitzer, Martina Steiner, Frank Weißenberger, Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Prof. Dr. Bernhard Iglseder, 9/2014

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben