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Pflege 5. April 2006

Therapie bei steroidinduzierter Osteoporose

Der unter hochdosierter Glukokortikoidtherapie zur Osteoporose führende Wirkmechanismus ist multifaktoriell. Es liegt einerseits eine direkte Inibition der Osteoblasten sowie Verminderung der Osteokalzin- und Kollagensynthese vor.
Andererseits kann es zu einer Reduzierung der Sexualhormone auf adrenaler und gonadaler Ebene, einer Steigerung der PTH-Sekretion, verminderter Sensitivität des Darms gegenüber Vitamin-D-Wirkung, renaler Kalziumreabsorption und skelettaler Belastung durch Reduktion der Muskelmasse und Steigerung der Knochenimmobilisierung kommen.
Prof. Dr. Heinrich Resch, Vorstand der II. Medizinischen Abteilung, KH der Barmherzigen Schwestern, Wien, Dr. Daniela Stanek sowie Dr. Petra Georg berichten über einen "ihrer Fälle" aus der täglichen Praxis:
Bei einem 55-jährigen männlichen Patienten ist seit 1984 eine chronische entzündliche Darmerkrankung mit rezidivierenden perianalen Zysten bekannt. Der Mann arbeitet als Nachrichtentechniker, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Konstitutionell liegt bei dem Patienten ein leicht adipöser Habitus vor, sonst keine weitere Auffälligkeiten. Zur Behandlung akuter Schübe seiner Erkrankung benötigt der Mann immer wieder höhere Dosen vom Kortison. Weiters leidet er an einer arteriellen Hypertonie sowie Hyperthyreose.

Klinische Befunde

Klinisch finden sich rezidivierende Durchfälle mit diffuser abdomineller Schmerzsymptomatik im Rahmen der Grunderkrankung. Weiters auffällig sind rezidivierende Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule, Kapselschwellungen und Mutilationen an beiden Händen, vor allem an den MCP- und PIP-Gelenken sowie Schwellungen an beiden Knien und Knöcheln. Unter Steigerung der Kortisondosis kam es zur Besserung der komplexen Schmerzsymptomatik.

Laborbefunde

BSG 22/52; ASLO negativ; CRP 46 mg/dl; IAP 76U/l; Leuko 8.800; ALP 290U/l; VitD3 12ng/ml; CA 1.9mmol/L; OC 32ng/ml; Ph 0.7 mmol/L; Rheumafaktoren negativ; PTH 11 pg/ml; Latex negativ; LDH 258U/L; LFP normal; HLAB27 positiv; SD-Funktion euthyreot.

Anhand der erhobenen Befunde wurden folgende Diagnosen gestellt:
1. M. Crohn
2. Steroidinduzierte Osteoporose
3. M. Crohn-assozierte Arthritis

Aufgrund des Alters, der Schmerzsymtomatik aber vor allem auch aufgrund der speziellen gastrointestinalen Situation wurde Calcitonin zur Behandlung der sekundären Osteoporose gewählt. Der Patient erhielt zweimal einen Hub Calcitonin Nasalspray a 100 Units gemeinsam mit 1.000mg elementarem Calcium und 400 Einheiten Vitamin D über 18 Monate. Unter dieser Therapie kam es zu rascher und deutlicher Schmerzreduktion, erhoben anhand der VAS (visual analogue scale). Weiters kam es zur Stabilisierung der Knochendichte, gemessen mit DEXA (dual energy x-ray absorptiometry) im Bereich des Schenkelhalses und der LWS.

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