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Pflege 11. September 2013

Cochrane Pflege Forum

Hydrogelverbände bei diabetischem Fußgeschwür

Die Review-Fragestellung

Wirken Hydrogel-Wundverbände bei diabetischen Fußgeschwüren besser als alternative Verbände oder keine Verbände?

Stichprobe

Die Wissenschaftler suchten im Juni 2011 in folgenden Datenbanken: Spezialregister der Cochrane Wounds Group, The Cochrane Central Register of Controlled Trials (Central), Medline, Embase und Cinahl. Sie nahmen Kontakt zu Forschenden und entsprechenden Herstellern bezüglich unveröffentlichter Daten und Studien auf und überprüften das Studienregister ISRCTN (International Standard Randomised Controlled Trial Number Register) bezüglich laufender Studien. Zudem durchsuchten sie Referenzlisten der einbezogenen Studien und vorheriger systematischer Reviews. Eine Einschränkung hinsichtlich Sprache und Erscheinungsdatum nahmen sie nicht vor. Für den Cochrane Review wurden veröffentlichte und nicht veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) berücksichtigt, welche die Wirkung von Hydrogel-Verbänden mit der Anwendung alternativer oder keiner Wundverbände in der Behandlung von diabetischen Fußgeschwüren vergleichen.

Die Wissenschaftler schlossen Personen jeden Alters mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 und einem offenen Fußgeschwür unabhängig der Ätiologie ein. Nicht berücksichtigt wurden Personen mit mehreren unterschiedlichen Wundätiologien zusätzlich zum diabetischen Fußgeschwür (z.B. Dekubitus, gemischt arteriell/venös arteriell), außer die Ergebnisse wurden für die Untergruppe separat aufgezeichnet oder waren bei den Autoren auf Anfrage erhältlich.

Intervention und Kontrolle

Als Intervention galt die Verwendung eines Hydrogel-Wundverbandes. Als Kontrollintervention wurde die Verwendung eines anderen Hydrogelverbandes, anderen Wundverbandarten oder anderen Interventionen angesehen, zum Beispiel topische Anwendungsmittel oder keine Verwendung von Verbänden.

Zielkriterien

Als primäre Zielkriterien legten die Wissenschaftler die Heilungsdauer des Geschwüres und die Anzahl der vollständig geheilten Geschwüre innerhalb eines bestimmten Zeitraums fest. Als sekundäre Zielkriterien galten folgende Aspekte: Gesundheitsbezogene Lebensqualität, Anzahl und Lokalisation von Amputationen, unerwünschte Ereignisse inklusive Schmerzen, Kosten, Rezidive von Geschwüren und absolute oder relative Veränderungen des Wundgebietes.

Methodik

Zwei Wissenschaftler prüften unabhängig voneinander zuerst die Titel und Abstracts aller gefundenen Studien hinsichtlich ihrer Relevanz. Danach wurden von den relevanten Studien die Volltexte geprüft. Bei Unstimmigkeiten wurde diskutiert oder die Meinung eines dritten Wissenschaftlers eingeholt. Die Qualität der Studien wurde bewertet und die Daten wurden anhand eines Datenextraktionsblattes für die Zusammenfassung extrahiert.

Datenanalyse

Die Wissenschaftler berechneten für dichotome Zielkriterien das relative Risiko (RR) mit dem dazugehörigen 95 %-Konfidenzintervall (CI). Für kontinuierliche Zielkriterien berechneten sie die Mittelwertdifferenz (MD) mit dem dazugehörigen 95 %-Konfidenzintervall.

Ergebnisse

Der Cochrane Review konnte fünf Studien mit insgesamt 446 Teilnehmern einschließen. Die Zusammenfassung von drei Studien zeigte, dass Hydrogelverbände eine signifikant höhere Heilungsrate verglichen mit herkömmlichen Wundverbänden aufweisen (RR: 1,80, 95 % CI: 1,27 bis 2,56). Die Länge der Nachuntersuchung sowie der Schweregrad der Geschwüre waren in den drei Studien unterschiedlich.

Eine Studie verglich Hydrogelverbände mit Madentherapie und fand keine statistisch signifikanten Unterschied hinsichtlich der Anzahl der geheilten Geschwüre. Ebenfalls keine statistisch signifikanten Unterschiede zeigte eine weiter Studie, welche Hydrogel mit Blutplättchen- Wachstumsfaktoren verglich. Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Anzahl geheilter Geschwüre hinsichtlich der Verwendung zweier unterschiedlicher Hydrogelverbände. Alle Studien waren klein und wiesen ein unklares Risiko für einen systematischen Fehler auf. Keine der eingeschlossenen Studien verglich den Hydrogelverband mit anderen fortschrittlichen Wundverbänden.

Schlussfolgerung der Cochrane Autoren

Es gibt einige Hinweise, dass Hydrogel-Verbände für die Heilung von geringgradigen diabetischen Fußgeschwüren effektiver sind als adhäsive Wundverbände. Jedoch ist dieses Ergebnis aufgrund des unklaren Risikos für systematische Fehler in den Originalstudien unsicher. Momentan liegen keine Forschungsergebnisse vor, die dafür sprechen, dass Hydrogel-Verbände für die Heilung diabetischer Fußgeschwüre wirksamer sind als Madentherapie, der Blutplättchen-Wachstumsfaktor oder als eine andere Handelsmarke von Hydrogel. Es wurden keine RCTs gefunden, die Hydrogelverbände mit anderen weiterentwickelten Verbandsarten verglichen.

Diese Cochrane Review-Zusammenfassung wurde im Rahmen der Fit-Nursing Care Webseiten (Schweizerisches Zentrum für Evidenzbasierte Pflege) erstellt und von Sabine Lins vom Deutschen Cochrane Zentrum bearbeitet und durch ein Glossar ergänzt.

Glossar

Sensitivitätsanalyse: Analyseverfahren, das feststellt, wie stabil sich die Ergebnisse einer Meta-Analyse gegenüber Schwankungen der Eingangsparameter oder Veränderungen in der Berechnungsmethodik verhalten.

Random-Effects Model: Statistisches Modell zur Zusammenfassung von Ergebnissen einzelner Studien. Im Gegensatz zum Fixed-Effects Model werden die Effektunterschiede zwischen den verschiedenen Studien berücksichtigt. Daher erzeugt ein Random-Effects Model bei vorhandener Heterogenität breitere Konfidenzintervalle als ein Fixed-Effects Model.

Relatives Risiko (RR): Das Relative Risiko ist ein Ergebnisparameter in Form einer Zahl, die die Risiken (Wahrscheinlichkeiten) von zwei Gruppen ins Verhältnis zueinandersetzt. Ein Relatives Risiko von 1 bedeutet, dass zwischen den Gruppen kein Unterschied besteht. Bei einem Relativen Risiko von kleiner als 1 ist die Intervention wirksam. Neben der Angabe des Relativen Risikos ist die Betrachtung des Konfidenzintervalls hilfreich.

Konfidenzintervall (CI): Als Konfidenzintervall wird beispielsweise der berechnete Bereich um das Relative Risiko herum genannt. Es wird angenommen, dass der „wahre“ Therapieeffekt einer Maßnahme, meist zu 95 % innerhalb des Konfidenzin — tervalls liegt. Das Konfidenzintervall hilft somit bei der Einschätzung, wie zuverlässig beispielsweise das berechnete Relative Risiko ist. Je enger das Konfidenzintervall um das Relative Risiko herum ist, desto zuverlässiger ist es.

Intention-to-treat Analyse (ITT): Analyse-Technik, bei der die Patienten nach ihrer ursprünglichen Gruppenzuteilung analysiert werden.

Signifikanz: Es kann davon ausgegangen werden, dass es einen Unterschied zwischen den Gruppen gibt, der nicht zufällig zustande gekommen ist.

LITERATUR

  1. Nachweis in der Cochrane Database of Systematic Reviews: Dumville JC, O’Meara S, Deshpande S, Speak K. Hydrogel dressings for healing diabetic foot ulcers. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 9
:  Photo: Darko Novakovic/drx — Fotolia

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Mag. Eva Siegl, Nataša Ivanovic, Prof. Dr. Eva-Maria Panfil, ProCare 6/7/2013

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