zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 30. Juni 2005

Pneumonie - die vitale Bedrohung

"In der österreichischen Allgemeinbevölkerung gibt es jährlich 20.000 Infektionen der unteren Atemwege", leitete Prof. Dr. Wolfgang Popp vom Institut für Atmungs- und Lungenerkrankungen Wien, seinen Vortrag beim Update in Geriatrie 2002 in Wien ein. "8.000 dieser Patienten gehen zum Arzt, 10% davon erhalten Antibiotika - nur 100 davon haben eine Pneumonie."  Ganz anders stellt sich jedoch die Situation für über 60-jährige dar. Popp: "Speziell in den Pflegeheimen gibt es auch Pneumoniepatienten ohne ausgeprägte respiratorische Symptomatik, die nur unter Schwäche, Exsikkose, Verwirrtheit, Kreislaufsymptomen, Appetitlosigkeit oder Sturzneigung leiden." Die Symptome einer Pneumonie wie Husten, Fieber oder Atemnot treten bei älteren Patienten insgesamt seltener auf.

Indikationen für eine Spitalseinweisung

In der präklinischen Diagnostik zählt die Atemfrequenz zu den wichtigsten Prädiktoren: ab 20 Atemzügen pro Minute sollte eine Spitalseinweisung in Betracht gezogen werden, ab 30 Atemzügen pro Minute muss sofort eingewiesen werden. Besonders schnell soll die Spitalsaufnahme erfolgen, wenn weitere Risikofaktoren (Herz- oder Nierenleiden, Diabetes mellitus, Malignome) bestehen, oder wenn bereits eine Therapie versagt hat. Ein Lungenröntgen in 2 Ebenen ist unbedingt erforderlich - kann es nicht erbracht werden oder erweist sich das sonstige Hausmanagement als nicht ausreichend, ist die Hospitalisierung ebenfalls nicht zu umgehen. 

Auch systolische Blutdruckwerte unter 90mm Hg, Bewusstseinstrübung oder bilaterale (multilobäre) Infiltrate führen ins Spital. Zum erforderlichen Labor gehören Blutbild, Senkung, CRP, sowie Nieren- und Leberfunktionsparameter. Fakultative Erfordernisse wären Blutgasanalyse oder Sauerstoffsättigung, Testung auf Antikörper gegen Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen. Lungenfunktionsprüfung, Tomografie/CT/Ultraschall, Pleurapunktion beziehungsweise Bronchoskopie können ergänzend notwendig werden. Als häufigste Erreger fungieren Pneumokokken, bei Aspiration Anaerobier, Viren (Influenza) und Staphulococcus aureus. Bei längerer Symptomatik sollte auch immer an eine Tuberkulose gedacht werden. 

Therapieoptionen

Die Therapie stützt sich in erster Linie auf Cephalosporine der 2. und 3. Generation (wirksam gegen Haemophilos, Moraxella und gramnegative Bakterien), eventuell in Kombination mit Makroliden (gegen Pneumokokken, Mykoplasmen, Chlamydien und Legionellen gut wirksam). In Frage kommen aber auch Betalaktam-Antibiotika plus Betalaktamase-Inhibitoren, eventuell auch kombiniert mit Makroliden, oder aber die modernen Gyrasehemmer. Noch nicht in Österreich zugelassen, aber im Ausland schon erhältlich ist die neue Substanzgruppe der Ketolide, die alle typischen und atypischen Erreger von Atemwegsinfekten abdeckt.

Impfprophylaxe: zu wenig genützt

Erwähnt werden müssen aber unbedingt auch die viel zu wenig genutzten Prophylaxe-Möglichkeiten mittels Pneumokokken- und Influenzaimpfung. "Durch diese zwei wichtigen Impfungen lassen sich zwar nicht alle Infekte vermeiden, die Gefährlichkeit der beiden Erkrankungen ist jedoch deutlich reduzierbar", so Popp. 

Zielgruppen für die Influenza-Impfung:

  • alle Personen ab 60 Jahre

  • alle chronisch Kranken

  • alle Personen in Gesundheitsberufen

  • alle, die sich schützen möchten

Zielgruppen der Pneumokokkenschutzimpfung:

  • alle Personen ab 60 Jahre
  • alle immunkompetenten Erwachsenen, die ein erhöhtes Risiko wegen einer chronischen Erkrankung haben (zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Alkoholismus, Leberzirrhose...)
  • alle immungeschwächten Personen (zum Beispiel eingeschränkte oder fehlende Milzfunktion, lymphatische Erkrankungen, chronisches Nierenversagen, immunsuppresssive Therapie und HIV-positive Personen)
  • alle Kinder ab zwei Jahren mit chronischen Erkrankungen mit erhöhtem Risiko (wie Asplenie, Sichelzellenanämie, nephrotisches Synfrom, Liquorrhoe, immunsuppressive Therapie).

Bei Patienten aus Risikogruppen oder bei rezidivierenden Infekten kann auch der Einsatz von Bakterienlysaten Erfolg versprechen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben