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Pflege 30. Juni 2005

Varianten des Parkinsonsyndroms

"Mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz von Bewegungsstörungen. Sie sind neurodegenerativen Erkrankungen, Funktionsstörungen, Medikamentennebenwirkungen oder strukturellen Läsionen des Gehirns zuzuschreiben", erklärt Prof. Dr. Gerhard Ransmayr von der Klinischen Abteilung für Neurologie und Psychiatrie, AKH Linz. Den größten Teil der altersabhängig auftretenden Bewegungsstörungen (siehe Kasten) stellt das Parkinsonsyndrom dar, wobei hier noch einmal differenziert werden muss, ob es sich um ein Idiopathisches, ein medikamentös-induziertes oder ein atypisches Parkinson-Syndrom handelt. Weiters sind noch der "Lower Body Parkinsonism" und die Parkinson-Symptomatik bei Alzheimer Krankheit, Demenz mit Lewy-Körper und das Idiopathische Parkinson-Syndrom mit Demenz zu unterscheiden.

Idiopathisches Parkinson-Syndrom

Ein Idiopathisches Parkinson- Syndrom ist durch Bradykinese gekennzeichnet und eines der drei folgenden Symptome: Rigor, niedrigfrequenter Ruhetremor und Standinstabilität. Typischer weise finden sich eine unilaterale Akzentuierung, eine Progredienz der Symptomatik und Ansprechen auf L-Dopa-Gabe (über fünf Jahre). Zur Diagnostik sind bei typischer Symptomatik und Verlauf bildgebende Verfahren (CCT, MRI) nicht erforderlich! Wichtig hingegen sind im Rahmen der Anamnese und Exploration die Fragen nach vegetativen, psychischen und kognitiven Symptomen. Diese sind dann auch in die Therapie (siehe Kasten) miteinzubeziehen. 

In der Therapie gilt grundsätzlich zu beachten, dass, je älter der Patient, desto:

  • vorsichtiger dosieren Cave:Nebenwirkungen)

  •  weniger ist die motorische Symptomatik behandelbar
  • weniger motorische Fluktuationen und Dyskinesien
  • höher ist das Sturzrisiko!

"Gerade bei älteren, multimorbiden Patienten muss die Medikation auf eventuelle, ein Parkinson-Syndrom induzierende Substanzen hin geprüft werden", betont Ransmayr. "Bei Durchsicht der Medikamentenliste sind häufig typische, hochpotente Neuroleptika zu finden, potenziell kommen auch Kalziumantagonisten, Amiodarone oder Lithium als Auslöser in Betracht."

Atypisches Parkinson-Syndrom

Im Rahmen einer Multisystematrophie kann es zum Auftreten eines atypischen Parkinson-Syndroms kommen. Neben orthostatischen Synkopen, einer neurogenen Blasenstörung, Impotenz und Ataxie besteht zusätzlich ein schlechtes Ansprechen auf die Therapie mit L-Dopa.

Lower-Body-Parkinsonism

Ein "Lower-Body Parkinsonism" ist durch eine ausgeprägte Hypokinesie der unteren Extremitäten beim Gehen gekennzeichnet. Hinzu kommen unter Umständen noch ein vermehrtes Mitschwingen der Arme sowie eine ausgeprägte Retropulsion. Bei dieser Symptomatik ist die bildgebende Diagnostik unbedingt erforderlich (CCT,MRI), gilt es hier einen Hydrozephalus oder eine subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie auszuschließen. Ransmayr: "Die Diagnose und Therapie der Bewegungsstörungen sind ein essentieller Beitrag zur Selbstständigkeit des älteren Patienten in der Verrichtung der alltäglichen Aufgaben." 

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