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Pflege 10. April 2006

Neurologische Notfälle im Alter

"Das Lebensalter ist für bestimmte neurologische Erkrankungen ein eigenständiger, nicht beeinflussbarer Risikofaktor", leitete Prof.Dr. Erich Schmutzhard, Univ.-Klinik für Neurologie, Neurologische Intensivstation, Innsbruck, seinen Vortrag am 42. Österreichischen Geriatriekongress in Bad Hofgastein ein. "Und für ältere Menschen sind dies vor allem die zerebrale Ischämie, die intrazerebrale Blutung und die Pneumokokkenmeningitis." Die Patienten erleiden häufig Intensivmedizin-assoziierte Komplikationen wie Beinvenenthrombosen, Aspirationspneumonie, nosokomiale Infektionen und vegetative Komplikationen inklusive Myokardinfarkt. 

Die zerebrale Ischämie

Zu den häufigsten zerebrovaskulären Erkrankungen im Alter zählt die zerebrale Ischämie. Rezenten Studien zufolge liegt die Mortalitätsrate bei zirka 100/ 100.000 Einwohner pro Jahr, das heißt, es handelt sich hierbei um die dritthäufigste Todesursache (nach Myokardinfarkt und Malignomen) in den westlichen Ländern. Zu den sicher dokumentierten, nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen Alter, Geschlecht, soziale Schicht und familiäre Belastung mit Schlaganfällen. Zusätzliche, jedoch beeinflussbare Faktoren stellen die arterielle Hypertonie, Nikotinkonsum, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, die Verschlusskrankheit von großen Hirnarterien, Alkohol, Bewegungsmangel sowie Übergewichtigkeit dar. 

Am Beginn des Akutmanagements des Schlaganfalles stehen:

  • Anamneseerhebung (Schmer- zen, Anfälle, Diabetes?)

  • kurzer neurologischer Status 

  • Puls, Blutdruck, Temperatur

  • Blutzucker 

  • Zerebrale Computertomografie 

  • Neurosonografische Untersuchung

Die Versorgung der Patienten auf einer Stroke Unit führt nach den Ergebnissen einer Zehnjahres-Follow-up Studie zu einer 25-prozentigen Risikoreduktion für Tod und Langzeitpflege im Vergleich zur Behandlung auf einer "Normalstation". "Prognostisch bedeutsam ist das Intervall zwischen Auftreten der Symptomatik und Beginn der spezifischen Diagnostik und Therapie. Dieses Zeitfenster muss möglichst klein gehalten werden", betonte Schmutzhard. "Bis zum Eintreffen in der Stroke Unit müssen die Vitalfunktionen aufrecht erhalten, der Blutdruck optimiert, die hämodynamische Situation stabilisiert und die metabolische Entgleisung vermieden werden." Cave: eine Senkung des Blutdrucks ist nur bei Werten > 200/110 mm Hg indiziert!

Die intrakranielle Blutung

Sie macht 25-30 Prozent der Schlaganfälle aus. Davon sind zwei Drittel intraparenchymatös, ein Drittel manifestiert sich als subarachnoidale Blutung. Entscheidend für die Prognose des Patienten ist auch hier der schnellstmögliche, sichere, überwachte Transport in das nächstgelegene, geeignete Krankenhaus. 

Symptomatik:

  • Das neurologische Defizit entwickelt sich schlagartig!
  • Häufig mit starken Kopfschmerzen verbunden
  • Häufig initial spastische Hemiparese
  • Bewusstseinstrübung bei ausgedehnter Blutung (beziehungsweise pontiner, intraventrikulärer Lokalisation)

Therapeutisch können großzügige Analgetika (Opiate) eingesetzt werden. "Auch in diesem Fall darf die Blutdrucksenkung - nach Sicherung der Diagnose - bei Werten über 190/100 mm Hg erfolgen. Ziel ist eine Einstellung auf hochnormale Werte", betont Schmutzhard, "andernfalls muss mit Perfusionsstörungen im Penumbra gerechnet werden."

Die bakterielle Meningitis

Die bakterielle Meningitis stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar - die Mortalität beläuft sich auf bis zu 30 Prozent, in 10 bis 40 Prozent ist mit Langzeitschäden zu rechnen. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass die "Community acquired"-Meningitis in fünf bis zehn Fällen pro Hunderttausend Einwohnern pro Jahr auftritt, bis zu 15 Prozent sind nosokomial erworbene Meningitiden. Schmutzhard: "Die Symptomatik der bakteriellen Meningitis ist in der Regel durch einen schleichenden Beginn und ein unspezifisches Prodromalstadium gekennzeichnet. Erst nach Tagen entwickelt sich das meningitische Bild." Die häufigsten Erreger im Alter sind Pneumo- und Meningokokken und Listeria monocytogenes - therapeutisch ist eine Kombinationstherapie mit Ampicillin und einem Drittgenerationscephalosporin angezeigt.

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