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Pflege 10. April 2006

Arterielle Hypertonie im Alter

Die im fortgeschrittenen Alter auftretende systolische Hypertonie hat ihre Ursachen in altersphysiologischen Gefäßveränderungen: Der Ersatz elastischer durch kollagene Fasern beispielsweise führt zu einer massiven Einschränkung bis hin zum Verlust der Elastizität der Gefäßwand. Zunehmende Atherosklerose, hypertoniebedingte Mediahyperplasie und eine Abnahme der Dilatationskapazität des peripheren Gefäßsystems in Folge Verlustes von Skelettmuskulatur sind weitere Ursachen von Gefäßveränderungen. 

"In diesem anatomisch-histologischen Umbau ist auch die Besonderheit der Hypertonie beim alten Menschen begründet", erklärt Prof. Dr. Jörg Slany, 2. Med. Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien: "Typisch ist eine ausgeprägte Blutdruckvariabilität. Das steife Gefäßsystem kann nur noch mit Druckschwankungen reagieren. Die hohe Blutdruckamplitude erklärt sich durch eine verminderte Barorezeptorenfunktion und reduzierte Windkesselfunktion." Zusätzlich findet sich aufgrund der autonomen Neuropathie die Neigung zur orthostatischen Dysregulation. Nachgewiesenermaßen ist bei Senioren auch das "Weißkittelphänomen" sehr ausgeprägt. "Und häufig kommt es auf Grund der starren Gefäße zu Messschwierigkeiten beziehungsweise -ungenauigkeiten", so Slany weiter.

"Es gibt keine altersspezifische antihypertensive Therapie für den Hochdruckpatienten zwischen dem 65. und 80. Lebensjahr!", hält Slany fest. "Ausschlaggebend ist die Komorbidität, die zu einer Bevorzugung oder dem Ausschluss bestimmter Antihypertensiva führt." Die anzustrebenden Blutdruckwerte liegen systolisch bei 140 mmHg, sofern keine Komorbidität besteht. "Diabetes mellitus, Nieren- oder Herzinsuffizienz sind Begleiterkrankungen, die einen niedrigeren systolischen Blutdruckwert erforderlich machen", erinnert Slany und betont: "Maßgebend ist hier aber auch der Patient, der die Senkung gut tolerieren muss." 

In zwei großen Studien konnte gezeigt werden, dass die so behandelten Patienten profitierten: bei ihnen konnten deutlich weniger (nämlich zehn pro hundert Untersuchte) kardiovaskuläre Ereignisse (MCVE - major cardiovascular events) und eine um 30 Prozent reduzierte Mortalität verzeichnet werden. Für Patienten jenseits des 80. Lebensjahres allerdings gäbe es keine Hinweise auf die Notwendigkeit einer derart rigoros zu verfolgenden Therapie, hebt Slany hervor. 

"Es wird aber auch in dieser Altersgruppe, besonders bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder mit Herzinsuffizienz, bei Blutdruckwerten über 160 mmHg systolisch eine Drucksenkung sinnvoll sein. Zumeist ist eine Absenkung des Blutdrucks auf 150 bis 160 mmHg systolisch völlig ausreichend, denn es gilt immer zu bedenken, dass ein zerebraler und renaler Basisperfusionsdruck aufrecht erhalten werden muss", betont der Kardiologe und stellt abschließend fest: "Prinzipiell ist bei alten Menschen die Blutdrucksenkung langsam und moderat vorzunehmen, außer im Notfall einer hypertensiven Krise." 

Therapieschemata bei Hypertonie: 

Alte Menschen sprechen oft gut auf niedrig dosierte Thiazide und auf Kalziumantagonisten an. Grundsätzlich kann jedoch, jeweils unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, jedes Antihypertensivum in Erwägung gezogen werden.

  • Herzinsuffizienz: ACE-Hemmer, Diuretika, Betablocker
  • KHK: Betablocker
  • COPD: Kalziumantagonisten
  • tachykardes Vorhofflimmern: Betablocker oder Nicht-Dihydropyridin- 
    Kalziumantagonisten
  • Niereninsuffizienz: ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker
  • Status post Insult: Diuretika und ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten

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