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Pflege 10. April 2006

Hauttumore bei älteren Patienten

"Die mit dem Alter zunehmende Zahl von Hauttumoren lässt sich einerseits auf eine senile immunologische Inkompetenz, andererseits auf die Effekte kumulativer DNS-Schäden durch UV-Licht zurückführen", erläuterte Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Dermatologische Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien. Die DNS-Reparaturmechanismen seien überfordert, so dass Präkanzerosen und Malignome der Haut entstehen können. Betroffen sei in erster Linie die Epidermis, bestehend vorwiegend aus Keratinozyten und Melanozyten, den antigenrepräsentierenden Langerhanszellen sowie den Merkelzellen, deren Funktion noch nicht geklärt ist.

Rappersberger: "Natürlich gibt es auch Zellen mesodermalen Ursprungs in der Dermis und Epidermis: Es handelt sich hauptsächlich um T- und B-Zellen, aus denen sich Lymphome entwickeln können. Aus den glatten Muskelzellen, Gefäßen, Fibroblasten, Adipozyten und Zellen neuraler Herkunft entstehen eher Sarkome." Nicht zu vergessen seien auch metastatische Prozesse in der Haut. Zu den von Epithelzellen ausgehenden Tumoren gehören Basaliome (siehe Abb.). Sie treten meist im Gesichtsbereich auf und beginnen mit einem perlmuttartig glänzenden Knötchen, typischerweise umgeben von Teleangiektasien. 

Das Plattenepithelkarzinom und seine "Bowen-Karzinom" genannten Formen entstehen ebenfalls meist auf lichtexponierten Hautregionen, aber auch im Intertrigo- und Genitalbereich. Nach anfänglicher Auflagerung von Schuppen und Krusten mit Blutungen zerstören auch diese Tumoren die darunter liegenden Schichten. Ein Morbus Paget entsteht im Mamma- bzw. im intertriginösen, perianalen oder inguinogenitalen Bereich. 

Das selten vorkommende Merkelzellkarzinom wird wegen seiner Erscheinung als hautfarbenes Knötchen oft mit einem Nävus oder Basaliom verwechselt. Jedes neu entstandene "Muttermal" bei älteren Patienten muss diagnostisch abgeklärt werden, denn Merkelzellkarzinome sind besonders bösartig und metastasieren früh hämatogen. Die Langerhanszell-Histiozytose tritt zwar vorwiegend bei Kindern auf, kommt als "Eosinophiles Granulom" jedoch auch bei älteren Patienten vor. 

Das Melanom kann als oberflächliche spreitende oder knotige Form auftreten oder aber als Lentigo maligna, akral-lentiginöses oder Schleimhaut-Melanom. "Für alle Formen gilt die ABCDE-Regel", erinnerte Rappersberger. Beim oberflächlich spreitenden, Lentigo maligna- und akral-lentiginösen Melanom kommt es anfangs zu einer verschieden langen Verbreitung, der ein Tiefenwachstum folgt. Dann wird relativ rasch ein oberflächlicher Gefäßplexus der Haut erreicht. Bei den anderen Formen entfällt das horizontale Wachstum und es kommt sofort zur vertikalen, infiltrativen Ausbreitung. "Nach 10 Jahren leben von den Patienten mit einer Tumordicke unter 1 mm noch 95%, bei einer Dicke über 3,9 mm noch knapp 40%", hob Rappersberger die Wichtigkeit der Früherkennung hervor.

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