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Pflege 30. Juni 2005

Die Besonderheiten des geriatrischen Patienten

"Der geriatrische Patient weist typische Merkmale auf, unter welchen sein Lebensalter in Jahren nur eine geringe Rolle spielt", erörtert Prof. Dr. Karl-Heinz Tragl, 1. Med. Abt. des Donauspitals im SMZ-O, Wien. Eine Sonderstellung erfährt der geriatrische Patient vor allem durch die verminderten Organfunktionen, das häufige Vorliegen mehrerer Krankheiten gleichzeitig und der Beeinträchtigung therapeutischer Vorgehen und Möglichkeiten auf Grund der im Alter veränderten Pharmakokinetik. 

"Zusätzlich spielen die neu gewichteten Bedürfnisse des Patienten wie hoher Rehabilitationsbedarf, Erhaltung der Mobilität und Autonomie eine wesentliche Rolle. Dem wird zwecks Vermeidung stationärer Pflege vorwiegend durch die Organisation extramuraler Dienste Rechnung getragen", so Tragl. Mit zunehmendem Lebensalter kommt es in allen Organen zu regressiven Veränderungen und damit verbunden zu einer Reduktion der Organfunktionen (siehe Kasten). Typisches histologisches Merkmal sind der Verlust an Parenchym einerseits und die Zunahme bindegewebiger Strukturen andererseits. Zur Funktionseinschränkung tragen neben dem Parenchymverlust und der durch die Bindegewebszunahme erhöhten Rigidität auch die verminderte Organdurchblutung bei. 

Es weisen alle Organe einen Rückgang ihrer Funktionen auf, wobei das Ausmaß desselben für die einzelnen Organe keineswegs gleichförmig ist. Manche Teilbereiche eines Organes können von der Funktionsverminderung besonders stark betroffen sein, wie zum Beispiel die Schrittmacherzellen des Sinusknotens, die im hohen Alter um bis zu 80 % vermindert gefunden werden und Rhythmusstörungen bis hin zum "Sick Sinus" verursachen. Auch die T-Zellen des Immunsystems erleiden Funktionseinbußen, welche den Krankheitsverlauf durchaus komplizieren können. Tragl: "Die für den geriatrischen Patienten charakteristische Multimorbidität erschwert die Diagnostik, behindert aber oft auch die Therapie." Besonders wichtig bezüglich des therapeutischen Vorgehens ist auch die im Alter veränderte Pharmakokinetik im Sinne veränderter Arzneimittelresorption, Verteilung und Ausscheidung. 

Seit Jahrzehnten gehören die Herz-Kreislauferkrankungen mit über 50 Prozent und die malignen Erkrankungen mit nahezu 25 Prozent zu den häufigsten Todesursachen unserer Zivilisation. Eine nicht minder bedeutsame Rolle im Alter spielen Erkrankungen der Atemwege, des Bewegungsapparates sowie geronto-psychiatrische und geronto-neurologische Erkrankungen. Aus diesem Grund sind auch die Aufgaben und Ziele in der Betreuung eines geriatrischen Patienten andere als bei jüngeren Patienten. Im Vordergrund müssen neben der Gesundung des Patienten auch das Erreichen einer hohen Lebensqualität, die Wiederherstellung von Mobilität und Autonomie sowie die soziale Reintegration in sein Umfeld stehen.

Änderung von Organgewicht und Organfunktion  bis zum 75. - 80. Lebensjahr:

Gesamtkörperwasser  -30%
Muskelmasse -30%
Vitalkapazität -45%
Atemstoßwert (FEV1) -55%
Regulationsgeschwindigkeit pH -20%
Gehirngewicht -45%
Zerebrale Durchblutung -20%
Nervenleitgeschwindigkeit -10%
Kardiales Schlagvolumen -30%
Maximale Herzfrequenz -25%
Glomeruläre Filtration -30%
Nierendurchblutung  -50%

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