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Pflege 30. Juni 2005

Die "Gelenkspflege" im Alter ist ein Muss

"Arthrose ist eine irreversible Schädigung des Gelenksknorpels, die mit Umbildung des knorpelnahen Knochens einhergeht und zu Zerstörungen der Gelenksfläche führt", definierte OA Dr. Winfried Wintersberger, Haus der Barmherzigkeit Wien, beim Update in Geriatrie 2002. Die Inzidenz steigt bis zum 70. Lebensjahr. Betroffen sind in 22 - 74% die Kniegelenke, in 24 - 35% die Hüften, in 50 - 80% die Wirbel- und in 10 - 15% die Schultergelenke. Als Risikofaktoren wirken Fehlstellungen, mangelnde Knochendichte, Adipositas und physikalische Beanspruchung. Auch Mikro-traumen und genetische Disposition können eine Rolle spielen - möglicherweise auch eine gesteigerte Viskosität der Gelenksflüssigkeit. Als wichtige biochemische Veränderungen findet man den sinkenden Wassergehalt des Knorpels bei gleichbleibendem Proteo-Glykangehalt sowie eine Verschiebung von Chondroitin-6- zu Chondroitin-4-Sulfat (gegenläufig zur normalen Altersentwicklung).

Wundermittel nicht in Sicht

Zu den wichtigsten klinischen Symptomen gehören Belastungsschmerz, Morgensteifigkeit und Abnahme der Beweglichkeit. Die Beschwerden bessern sich in Ruhe und nehmen bei Bewegung zu. Auch Druckschmerz, Krepitation und Deformierung findet man häufig. Das Labor bleibt normal, radiologisch sieht man eine irreguläre Verschmälerung des Gelenksspaltes."Derzeit ist es nicht möglich, den Knorpelabbau und damit die Arthrose völlig zu verhindern. Auch ein einmal monatlich zu spritzendes Wundermittel ist nicht in Sicht". Doz. Dr. Franz Rainer, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Graz-Eggenberg, zerstörte alle diesbezüglichen Hoffnungen. Er bot jedoch einen polypragmatischen Therapieansatz an, bestehend aus allgemeinen, medikamentösen und chirurgischen Maßnahmen.

Den allgemeinen Teil der "Gelenkspflege" muss - unter Anleitung - der Patient bewältigen: Gewichtsreduktion mit bewusster Ernährung, Dehnung verkürzter und Kräftigung geschwächter Muskeln, um das muskuläre Gleichgewicht wieder herzustellen. Beim Sport sollen die Gelenke möglichst wenig belastet werden, vorzuziehen sind Schwimmen und Rad fahren. Sämtliche Sitzflächen (Sessel, Toiletten etc.) müssen erhöht werden, um ein leichteres Setzen und Aufstehen zu gewährleisten. Auch der Gehstock kann zur Entlastung beitragen. 

Fehlstellungen dürfen nicht durch falsche Ruhepositionen gefördert werden (Knierolle führt zu Streckdefizit!) Aktivierte Arthrosen muss der Arzt in einen latenten Zustand zurückführen. Ist das schmerzende Gelenk wärmer als die Umgebung, wird es mit Kälte behandelt und umgekehrt. Bei intraartikulären Injektionen ist zu bedenken, dass auf 35.000 Injektionen 1 Infektion auftritt. Injiziert werden in erster Linie Hyaluronsäure oder Glucosamin.

Prinzipiell stehen mehrere Medikamentengruppen zur Verfügung:

  • SADOA Slow Acting Drugs in Osteoarthritis
  • SYSADOA Symptomatic Slow Acting Drugs
  • DMOAD Disease Modifying Osteoarthritis Drugs

Alle diese Therapeutika wirken nicht sofort, nach drei bis vier Monaten treten aber durchaus Erfolge ein. Im Anfangsstadium der Erkrankung kann Chondroitinsulfat - allerdings nicht kassenfrei - verordnet werden. Die Wirkung beruht auf einer Chondrozytenstimulation, die den Knorpelabbau verlangsamt. Weitere Studien sind dazu noch nötig. Die analgetische Wirkung ist bei Therapiebeginn schwächer als die von Diclofenac, überholt diese aber mit der Zeit. In der operativen Behandlung stehen - so Wintersberger - gelenkserhaltende, -ersetzende oder -versteifende Verfahren zur Verfügung. Zu den Zukunftsaussichten zählen autologe Knorpeltransplantationen und "Cartilage ingineering" - das Einbringen von Knorpelzellen.

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