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Pflege 30. Juni 2005

Die Besonderheiten des Diabetes mellitus Typ 2

Die Anzahl der diagnostizierten Typ-2-Diabetiker wird in Österreich mit etwa 250.000 bis 300.000 angegeben; die Dunkelziffer der "unerkannten" Menschen wird auf weitere 250.000 geschätzt. Während beim Diabetes mellitus Typ 2 des mittleren Erwachsenenalters (Alter etwa 40 bis 65 Jahre) die Insulinresistenzkompenente überwiegt, ist es bei hochbetagten Diabetikern in erster Linie die zunehmend eingeschränkte Insulinsekretionsleistung der Betazelle. 

Doz. Dr. Peter Fasching, III. Interne Abteilung, Geriatriezentrum Baumgarten: "Die Insulinresistenz wird auf Basis zumeist bestehender genetischer Prädisposition durch die bekannten Risikofaktoren wie Adipositas, kalorien- und fettreiche Ernährung und Bewegungsmangel gefördert."  In der Altersklasse der zirka 60-jährigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 überwiegen die Übergewichtigen, während in der Altersklasse über 75 Jahre deutlich weniger übergewichtige Personen zu finden sind. Die im Lauf der Zeit nachlassende Betazellfunktion (Sekundärversagen der Betazelle) stellt bei weitgehend konstanter Insulinresistenz den entscheidenden Faktor für die fortschreitende Stoffwechselverschlechterung dar. 

Individuelle Behandlung 

Die alleinige Bestimmung der Nüchternblutglukose bei Hochbetagten ist kein verlässlicher Screeningparameter; die Bestimmung des HbA1c-Wertes kann zusätzliche Informationen über eine postgrandiale Hyperglykämie geben. Auch bei geriatrischen Patienten sind die Therapieziele einer Diabetestherapie individuell festzulegen. Fasching: "Ein wesentlicher Faktor ist dabei sicher das Alter der Erstdiagnose der Diabeteserkrankung. Während Personen, bei denen der Diabetes erst nach dem 70. Lebensjahr diagnostiziert wurde, keine drastisch erhöhte Mortalität oder Spätkomplikationsentwicklung im Vergleich zu gleichaltrigen Nichtdiabetikern aufweisen, sind 70-jährige Patienten, bei welchen der Diabetes schon zehn Jahre oder länger besteht, in höchstem Maß gefährdet, kardiovaskuläre Komplikationen zu erleiden!" 

Auch Faktoren des allgemeinen Gesundheitszustandes (zum Beispiel kognitive Funktion, Immobilität und Pflegebedüftigkeit) und der Lebensqualität sind zu berücksichtigen. Fasching: "Verallgemeinernde Richtwerte, zum Beispiel für die anzustrebende Höhe des HbA1c-Wertes, in Abhängigkeit vom kalendarischen Lebensalter erscheinen mir daher nur sehr bedingt zulässig." Als allgemeine Regel kann gelten, dass im Falle eines höheren Alters bei Erstdiagnose und Kriterien der Lebensqualität höhere HbA1c-Werte (über 8 %) toleriert werden können.

"Eine exzessive Hyperglykämie, zum Beispiel Werte über 250 mg/dl, oder eine Hypoglykämie sind unbedingt zu vermeiden!", erklärt Fasching. Die Folgen solch hoher Blutzuckerwerte: Polyurie, Exikkose, Infektionsneigung, Verwirrtheitszustände (mit eventuellen Sturzfolgen), kognitiver Abbau und demzufolge Immobilität und Pflegebedürftigkeit. Die Symptome einer Hyper- und Hyperglykämie können bei Hochbetagten sehr atypisch sein. Daher: Bei unklaren Zustandsbildern ist immer eine aktuelle Blutzuckerkontrolle indiziert! Zusätzlich ist immer auf eine adäquate Blutdruckeinstellung (Zielwert 145/85 mmHg) zu achten.

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