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Pflege 10. April 2006

Update: Alzheimer-Demenz

"Im Jahr 2020 werden etwa 100.000 ÖsterreicherInnen an der senilen Alzheimer-Demenz leiden", so Prof. DDr. Peter Fischer, Universitätsklinik für Psychiatrie, Wien. Problemfelder sind nach wie vor die Diagnose der frühen Alzheimer-Demenz, die Differenzialdiagnose Demenz versus Depression und die Therapie. Fischer: "Die häufigste Ursache der Demenz alter Menschen ist die degenerative Alzheimer-Demenz, die regelhaft mit Gedächtnisstörungen beginnt. Der Rückschluss, dass jede Gedächtnisstörung eine beginnende Alzheimer Demenz ist, ist jedoch nicht zulässig!" 

Frühdiagnose wichtig

Zu Beginn der Alzheimer Demenz steht immer die Gedächtnisstörung. Ursächlich ist dafür eine Degeneration anzusehen, die im limbischen System beginnt und rasch den Hippocampus schädigt. Einbußen im episodischen Neugedächtnis sind typisch; Situationen der vergangenen Stunden, Tage oder Wochen werden nur bruchstückhaft, verworren oder gar nicht erinnert. Weiters zeigt der Patient Wortfindungsstörungen: zusammengesetzte Worte und Lehnwörter fallen nicht mehr ein und werden umschrieben. Typisch ist auch die bereits im frühen Verlauf auftretende zeitliche Desorientiertheit.

Fischer: "Orientierungsfragen können 75 Prozent der Demenzen in weniger als einer Minute diagnostizieren!" Ein Leichtes ist es für den Allgemeinmediziner, nach einer verbindlichen Einleitung den Patienten auf seine zeitliche Orientierung hin zu befragen; Wochentag, Monat, Jahreszahl werden von jedem hirngesunden alten Menschen richtig beantwortet. Fischer: "Jedem über 70-jährigen Patienten sollten Orientierungsfragen gestellt werden." Dem Facharzt obliegt die psychometrische Abklärung. Bei begründetem Demenzverdacht sind in weiterer Folge Routineuntersuchungen indiziert (siehe Kasten), um behandelbare Demenzursachen auszuschließen.

Differenzialdiagnostik

Differenzialdiagnostisch müssen vor allem die "depressive Pseudodemenz", medikamentös bedingte Demenzursachen und die Frühform der vaskulären Demenz ausgeschlossen werden. Am Beginn der Demenzabklärung sollte in jedem Fall die Depression ausgeschlossen werden; einige Symptome von Depression und Demenz überlappen sich (siehe Kasten). "Besteht weiterhin der Verdacht auf eine Demenzentwicklung, so muss nach konsequenter antidepressiver Therapie die Demenzabklärung wiederholt werden", so Fischer. 

Therapieoptionen

Eine spezifische Therapie der Alzheimer-Demenz mit Acetylcholinesterase-Hemmern steht seit sechs Jahren zur Verfügung: Sie bewirken eine Verbesserung der Alltagsaktivitäten und eine positive Beeinflussung der kognitiven Ausfälle. Insgesamt kann die Pflegebedürftigkeit der Patienten mit Alzheimer-Demenz mit den moderneren und besser verträglichen Cholinesterase-Hemmern um etwa ein Jahr hinausgezögert werden. "Den größten Nutzen für den Patienten und dessen Lebensqualität - bei milder Demenzschwere - bringt ein früher Therapiebeginn, also noch vor dem Stadium der Desorientiertheit und Hilfsbedürftigkeit", erklärt Fischer.

Zur pharmakologischen Alzheimertherapie stehen mittlerweile mehrere Substanzen zur Verfügung (siehe Kasten). Im Falle von psychotischen Symptomen eignen sich Neuroleptika, vor allem Risperidon. Benzodiazepine sind beim ängstlichen Patienten indiziert, SSRI´s bei dementen Patienten mit depressiver Verstimmung.

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