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Pflege 5. April 2006

Intimität hat kein Ablaufdatum

Schon in der WHO-Deklaration von 1975 ist das Recht auf sexuelle Gesundheit und die Fähigkeit, Sexualität (aufbauend auf einer sozialen und menschlichen Ethik) zu genießen, festgehalten. Weiter heißt es: "....Für jeden Menschen existieren Grundrechte, die auch das Recht auf sexuelle Gesundheit und Leistungsfähigkeit einbeziehen, sich an sexuellem Verhalten zu erfreuen und dieses kontrollieren zu können. Dies soll mit einer gesellschaftlichen und persönlichen Ethik im Einklang stehen....".
"Da die Sexualität alternder Menschen von der Fortpflanzungsfunktion vollständig abgelöst zu betrachten ist und deshalb ganz in den Bereich der Wünsche und Sehnsüchte fällt, kommt der Zärtlichkeit eine dominierende Rolle zu", so Dr. Doris Bach, Gerontopsychologin, Psychotherapeutin und Supervisorin, "ähnlich wie die Bedeutung der emotionalen Sicherheit und der gegenseitigen Loyalität in der Partnerschaft mit zunehmendem Alter wächst."
Sexualität im Alter ist vor allem die Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeit und Zeit, sie vertieft die Kommunikationsfähigkeit und stärkt das Selbstwertgefühl.
Bach: "Gerade im Alter mit den vielfachen Verlusten und angesichts der Bedrohung durch das nahende Lebensende sind die Botschaften von Annahme, Zuwendung, Nähe und Geborgenheit in der nonverbalen Kommunikation der Sexualität um so lebenswichtiger und eng mit Selbstachtung, Selbstwertgefühl, Sinnfindung und Lebensfreude verbunden."

Sexuelle Befriedigung korreliert mit Lebensqualität

Für jüngere Menschen ist Sexualität im Alter oft unvorstellbar und "hat eigentlich nicht mehr stattzufinden", meint Doz. Dr. Andreas Jungwirth, Urologische Abteilung des LKH Salzburg.
Tatsache aber ist, wie man aus zahlreichen Studien weiß, dass sich die Performance der Sexualität im Alter ändert, das Interesse aber durchaus bestehen bleibt. So geben 44 Prozent der Männer im 8. Dezenium an, dass Sexualität die "Würze des Lebens" ist und noch 20 Prozent geben an, dass ihnen Sexualität wichtig ist.
Die Bedeutung der Sexualität ist laut einer vom IFES Institut durchgeführten Studie für 32 Prozent der Männer sehr groß, sie geben an, "mehrmals täglich an Sex zu denken". Sexuelle Aktivität und Befriedigung korrelieren anhand der "Comprehensive Quality of Life Scale"- Studie sehr stark mit angegebener Lebensqualität. Und Männer mit erektiler Dysfunktion (ED) fühlen sich in allen Lebensbereichen weniger zufrieden als gesunde Männer.
Der Massachussetts Male Aging Study zufolge, in der Männer zwischen dem 40. und 69. Lebensjahr zur sexuellen Befindlichkeit befragt wurden, leiden mehr als die Hälfte der Männer in diesem Alter an Erektionsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes. Dieses Ergebnis führte zur intensiven Auseinandersetzung mit der erektilen Dysfunktion und zur Thematisierung sowohl bei den Betroffenen als auch der Ärzteschaft.
Die Prävalenz der erektilen Dysfunktion wurde in Wien im Rahmen einer Gesundenuntersuchung an 1.051 Männern im Alter von 20 bis 80 Jahren evaluiert.
Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit der ED, gleichzeitig wurde eine Abnahme der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs festgestellt. Die erhobenen Daten ergeben hochgerechnet auf Gesamtösterreich eine Prävalenz der ED bei 723.400 Männern. Davon wiederum suchen 219.400 Männer wegen der Ausgeprägtheit der erektilen Dysfunktion medizinische Hilfe.

Österreich im Vergleich zum Rest der Welt

Im Rahmen der "Pfizer Global Study of Sexual Attitudes and Behavior" wurden weltweit in 30 Ländern 26.000 Frauen und Männer zwischen 40 und 80 Jahren (in Partnerschaft lebend beziehungsweise verheiratet) zum Thema Sexualität, Intimität und Beziehung zum Partner befragt. In Österreich waren es 250 Frauen und 250 Männer. Die Ergebnisse der Studie stellen die traditionelle Vorstellung in Frage, dass das sexuelle Verlangen bei über 40-Jährigen abnimmt.
Für 77 Prozent der ÖsterreicherInnen ist Sexualität wichtig (66 Prozent der Frauen, 90 Prozent der Männer), mit diesem Ergebnis liegen die Österreicher weltweit im Mittelfeld. Bezüglich der Häufigkeit sexueller Aktivität gaben etwa die Hälfte der Befragten an, "mehrmals pro Woche im letzten Jahr Sex gehabt" zu haben.
Jungwirth: "Mit diesem Ergebnis findet sich Österreich im weltweiten Vergleich im Schlussfeld."
Auf die Frage "Wie befriedigend empfinden Sie Ihr Liebesleben?" gaben 70 Prozent der Frauen und sogar 84 Prozent der Männer an, sehr bis extrem zufrieden zu sein.
"Sexualität bleibt bis in das hohe Alter interessant und wichtig" - dieser Meinung schlossen sich zwei Drittel der befragten Österreicher an.

Sex als Tabu-Thema beim Arztbesuch

"Nach wie vor wird von ärztlicher Seite nach sexuellen Problemen oder Beeinträchtigungen nur in seltenen Fällen aktiv nachgefragt. Der Studie zufolge aber wollen mehr als die Hälfte der Befragten vom Arzt/Ärztin darauf angesprochen werden", mahnt Jungwirth. Zur medikamentösen Unterstützung der verbesserten Erektilität äußerten sich mehr als die Hälfte der Männer zustimmend, für 41 Prozent der Frauen ist eine pharmazeutische Hilfestellung durchaus akzeptabel. Nahezu 60 Prozent der Befragten gaben an, Medikamente zur Verbesserung der Sexualfunktion zu kennen.

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