zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 30. Juni 2005

Schmerztherapie ist keine Einbahnstraße

Das WHO-Schema zur Schmerztherapie gilt nicht nur für Tumorschmerzen, sondern für alle chronischen Schmerzen. Dabei gilt: Alle Analgetika, nicht nur Opioide müssen regelmäßig zu festgesetzten Zeiten eingenommen werden. Dies ist nicht nur die Voraussetzung für eine gute Analgesie, sondern schafft gerade für ältere Menschen wichtige Einnahmerituale.
Das Einnahmeschema für Nicht-Opioide wird nach der Wirkdauer festgesetzt. Es ist entscheidend für den Therapieerfolg, dem Patienten gerade diesen Punkt eingehend zu erläutern. Das Wirkspektrum der Substanzen unterscheidet sich ebenfalls: NSAR wie Diclofenac und Indometacin wirken antiphlogistisch, analgetisch und antipyretisch, während Paracetamol überwiegend antipyretisch und wenig analgetisch wirkt. Auch eine Reihe von Interaktionen mit Medikamenten, die bei alten Menschen weit verbreitet sind, müssen berücksichtigt werden.

Einer von 1.000 Patienten stirbt an NSAR-Dauertherapie

Zwei Drittel der chronischen Schmerzsyndrome älterer Menschen werden mit NSAR behandelt. Damit kommen NSAR sicher zu häufig zum Einsatz. Ob indiziert oder nicht: Von 1.000 Patienten mit langfristiger NSAR-Therapie bekommen 100 ein gastrointestinales Ulkus, 10 eine Magenblutung und einer stirbt. Auch für Coxibe gilt, dass die absolute gastrointestinale Sicherheit nur in Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer zu erreichen ist.
Gerade bei älteren Patienten muss deshalb frühzeitig an Opioide gedacht werden. Hydromorphon ist bei multimorbiden Patienten besonders günstig, da es ein geringes Interaktionspotenzial aufweist.
Wenn ein Opioid Nebenwirkungen verursacht, lohnt sich ein Wechsel auf ein anderes in äquipotenter Dosis. Nur mit lang wirksamen oder retardierten Opioiden kann die Plasmakonzentration über 24 Stunden stabil im therapeutischen Bereich gehalten werden. Bei kurz wirksamen Opioiden lässt sich ein ständiges Hin und Her zwischen Schmerzdurchbruch und Überdosierung gar nicht vermeiden. Und diese Schwankungen sind der sichere Weg, eine Abhängigkeit zu erzeugen. Man sollte allerdings vor Beginn einer Opioidtherapie mit einer kurz wirksamen Substanz testen, ob sich die Schmerzen bessern.

Leber- und Nierenwerte berücksichtigen

Bei der Dosierung von Analgetika gilt es, nachlassende Organfunktionen zu bedenken. Dazu kommt eine Verteilungsstörung aufgrund der Abnahme des Serumalbumins und Gesamtkörperwassers sowie einer veränderten Fett-Muskel-Relation. Die Lebermasse nimmt um 20-25 Prozent ab, auch die Leberdurchblutung verringert sich, und damit die metabolische Kapazität der Leber. Die Eliminationsleistung der Niere ist ebenfalls eingeschränkt.
Zu jeder Schmerztherapie gehören je nach Schmerzart auch so genannte Co-Analgetika wie Antiepileptika, Antidepressiva, Neuroleptika oder Steroide.
Außerdem muss Nebenwirkungen vor allem von Opioiden von Anfang an vorgebeugt werden (Laxanzien, Antiemetika). Lokalanästhesie, invasive Schmerztherapien, Entspannungsverfahren und Psychotherapie ergänzen die Optionen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben